Studie: Fußball-WM hat Wirtschaft nicht belebt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Studie: Fußball-WM hat Wirtschaft nicht belebt

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Land war im Freudentaumel, doch kurzfristig hat sich die Fußball-WM 2006 für die Bürger nicht gelohnt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Hamburg über die Effekte des Spektakels auf Einzelhandelsumsätze, Tourismus und Beschäftigung. Alle zwölf Austragungsorte wurden mit 62 spielfreien Städten verglichen. Ergebnis: Keine wesentlichen Abweichungen der Job- und Einkommenssituation, keinerlei Effekte von gesamtwirtschaftlich signifikanter Größenordnung. Entgegen der offiziellen Prognosen profitierte nicht einmal der Einzelhandel, fanden die Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Maennig und Florian Hagn heraus: Tatsächlich verzeichneten die WM-Monate Juni und Juli Umsatzrückgänge, was die Autoren dem "Couch Potato Effect" zuschreiben. Auch der Tourismus legte nicht zu. Die WMBesucher ersetzen gerade mal jene, die wegen des Sportereignisses weggeblieben waren. München und Berlin beklagten gar einen Auslastungsrückgang um 14 beziehungsweise 11 Prozentpunkte. "Die WM war entgegen allen Annahmen kein Konjunkturprogramm, doch für das Image und die Stimmung im Land von unermesslichem Wert", urteilt Maennig. Zumal die Geburtenrate neun Monate nach der WM deutlich steigt: "Angesichts der ansonsten fatalen Geburtenentwicklung in Deutschland könnte dies nicht nur einer der schönsten, sondern auch einer der volkswirtschaftlich nachhaltigsten Effekte der WM 2006 sein", so Maennig.