Sicherheitslage beriet im Kanzleramt wegen Terrorgefahr - Neue Aussagen aus Pakistan belasten inhaftierten Deutschen
Erstmals nach den Anschlägen des 11. September 2001 hat die Bundesregierung wegen der aktuellen Terror-Gefahr für Deutschland im Juni die sogenannte Sicherheitslage einberufen. Bei der geheimen Sitzungsrunde im Bundeskanzleramt, die nur in Krisenzeiten tagt, nahmen die Staatssekretäre von Innen-, Außen- und Verteidigungsministerium teil. Unter Leitung von Kanzleramtschef Thomas de Maizière berieten die Spitzenbeamten die aktuelle Gefahr von drohenden Terror-Anschlägen. Grund für die Krisensitzung war eine geheime CIA-Analyse, die detailliert auflistet, warum Deutschland nach Meinung der US-Regierung derzeit besonders gefährdet ist.
Neben dem Afghanistan-Engagement nennt die CIA die hohe Zahl von deutschen Islamisten mit Kontakten nach Pakistan sowie die guten Möglichkeiten von Hindukusch- Rückkehrern, unerkannt in Westeuropa zu reisen. Kurz zuvor waren in Pakistan zwei deutsche Islamisten und ein staatenloser Libanese mit deutscher Niederlassungserlaubnis festgenommen worden. Dabei wird der gebürtige Pakistaner Aleem N., 45, durch Aussagen eines weiteren in Pakistan festgenommenen Islamisten aus Deutschland schwer belastet. Der bereits am 30. Januar inhaftierte Deutsch-Bosnier Nihad C. aus Pforzheim hatte in Verhören des pakistanischen Geheimdienstes zugegeben, in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion in einem militärischen Ausbildungslager von radikalen Islamisten gewesen zu sein. Dort will er Aleem N. gesehen haben, der den Umgang mit Sprengstoff trainiert habe. Der Bruder von N. hat in Lahore einen Anwalt eingeschaltet, deutschen Diplomaten wurde bisher der Zugang zu dem Häftling verwehrt. N. ist bei den deutschen Sicherheitsbehörden als "Gefährder" bekannt, weil er am 14. September 2001, drei Tage nach den Anschlägen in Amerika, seinen damaligen Arbeitskollegen im Karlsruher Institut für Transurane drohte. Mehrere Mitarbeiter gaben an, Aleem N. habe ausgerufen, "solche Anschläge wird es jetzt überall, auch in Deutschland geben". Die Bundesanwaltschaft ermittelte gegen ihn deshalb wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung, stellte das Verfahren aber im September 2003 ein.