Untersuchung zeigt: junge G-8-Gegner zu illegalen Aktionen bereit
Einen Monat nach dem G-8-Gipfel von Heiligendamm liegen Ergebnisse einer Umfrage unter jugendlichen Gipfelgegnern vor. Das Zentrum für Kindheits- und Jugendforschung der Universität Bielefeld befragte unter der Leitung von Uwe Sander vor Ort 3576 Demonstranten im Alter bis zu 25 Jahren. Danach stuften sich 63 Prozent aller Befragten als "links", 20 Prozent sogar als "linksradikal" ein. Überrascht hat die Forscher die Bereitschaft zu illegalen Aktionen, zum Beispiel Angriffen auf Firmeneigentum. Die Masse der Demonstranten war der Befragung zufolge überdurchschnittlich gebildet. 70 Prozent besuchen eine Schule oder studieren, die Mehrzahl stammt aus gebildeten Elternhäusern. Offenbar fürchten die Jugendlichen die Folgen der Globalisierung. 88 Prozent gaben als Motiv für die Teilnahme am Protest "Perspektivlosigkeit" an. Der Bielefelder Forscher Arne Schäfer spricht deshalb von einer "prekären Generation", die offenbar unter einem "biografischen Schock" stehe. Die Jugendlichen kämen aus einer heilen Welt, hätten ihre Kindheit im Wohlstand verbracht, würden beim Eintritt ins Berufsleben aber von einer wesentlich härteren Realität erfasst. Anders als bei früheren Protestbewegungen bleiben die Demonstranten von heute in starker Distanz zu den politischen Parteien. Sie wollten, so Schäfer, "keine vereinnahmenden Polit-Organisationen". Die neue Protestgeneration konstituiere sich via Internet, wobei jeder Einzelne autonom und doch verbunden bleibe. "Sie verschwindet nach Heilgendamm nicht, die Politik muss mit ihr rechnen."