Laptop liefert Lebenszeichen deutscher Irak-Geisel
Der Krisenstab der Bundesregierung bemüht sich intensiv um einen Kontakt zu den Entführern der deutschen Geisel Sinan Krause, um über dessen Freilassung zu verhandeln. Die Situation sei weiter äußerst bedrohlich, heißt es dazu im Außenministerium. Sicherheitsexperten rätseln noch immer über die Gründe, warum die Geiselnehmer der ominösen Gruppierung Brigade der Pfeile der Rechtschaffenheit seine Mutter Hannelore Krause Anfang voriger Woche in die Freiheit entließen. Hinweise könnte ein Laptop liefern, den amerikanische Behörden bei einer Razzia im Irak sicherstellten und ihren deutschen Kollegen schon vor der Freilassung der Mutter zukommen ließen. Auf dem Rechner fanden sich Videosequenzen mit Datum vom 8., 9. und 10. Juni. Sie zeigen Hannelore Krause mit Infusionskanülen im Arm und einem Berg Medikamente. Ihr Sohn Sinan, mit einem inzwischen dichten Vollbart, fächert ihr Luft zu. Womöglich, so eine These, sei den Geiselnehmern die weitere medizinische Versorgung zu aufwendig geworden. In ersten Befragungen gab die erschöpfte Frau nach ihrer Freilassung an, sie sei während der Geiselhaft nie von ihrem Sohn getrennt gewesen. Anfangs seien sie in einem Erdloch versteckt worden. Offenbar hätten sie den Großraum Bagdad seit ihrer Gefangennahme im Februar nie verlassen. Die Wachen hätten sie zwar mehrfach mit dem Tod bedroht, ansonsten aber korrekt behandelt. Am Dienstag hatten die Geiselnehmer Hannelore Krause freigelassen, ihre erste Station war eine Verwandte in Bagdad. Von dort rief sie die deutsche Botschaft an, die sie von bewaffneten Beamten abholen ließ. Offenbar hatten die Geiselnehmer ihr genaue Instruktionen mitgegeben. Am Morgen nach ihrer Freilassung gab sie dem arabischen Nachrichtensender al-Arabija ein Interview, in dem sie erneut einen dramatischen Appell an die Bundesregierung richtete. Wenn Deutschland sich nicht aus Afghanistan zurückziehe, werde ihr Sohn geschlachtet die Geiselnehmer hatten auf dieser martialischen Formulierung bestanden.