Russischer Reformpolitiker und Topmanager Tschubais warnt Westen vor neuem Kalten Krieg
Der liberale russische Reformpolitiker Anatolij Tschubais warnt den Westen vor einem neuen Wettrüsten und wendet sich gegen Verstaatlichungstendenzen in der russischen Ölindustrie. In ungewöhnlich scharfer Form hat der liberale russische Reformpolitiker und Spitzenmanager Anatolij Tschubais den Westen vor einem neuen Wettrüsten gewarnt. Die geplante Stationierung eines amerikanischen Raketenabwehrsystems in Osteuropa sei "der pure Wahnsinn", der "die Welt in die Zeit des Kalten Krieges" zurückwerfe. "Wundern Sie sich nicht, wenn russische Raketen bald wieder auf Europa zielen", sagte er in einem Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Tschubais wandte sich gegen Tendenzen in der russischen Regierung, die Ölindustrie unter Staatskontrolle zu bringen. "Der Staat ist in der Regel ein schlechter Eigentümer", erklärte er. Tschubais verteidigte die Privatisierungspolitik der neunziger Jahre unter Boris Jelzin: "Er hat damit das Fundament des heutigen Wachstums gelegt", sagte er. Der Europäischen Union (EU) warf Tschubais vor, neue Trennlinien aufzubauen statt einen gemeinsamen Energiemarkt "von Sibirien bis zum Atlantik" zu errichten. Gleichzeitig kritisierte er "schwere Fehler der russischen Regierung und der Unternehmer im Umgang mit den Nachbarn".