Industriespionage bei der Bankenaufsicht? - DER SPIEGEL
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Industriespionage bei der Bankenaufsicht?

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für Wirbel in der Finanzszene sorgt der überraschende Wechsel einer hochrangigen Bankaufseherin in die Privatwirtschaft: Die Mitleiterin einer Hauptgruppe der Bundesbank, Katja P., geht im Dezember zur Großbank HSBC nach London. Dort werde sie den Bereich Ökonomisches Kapital und Risiko-Methodik verantworten, schrieb sie Kollegen. Mittels einer Umfrage hatte sich die Aufseherin in den vergangenen Monaten detaillierte Kenntnisse über das Risikomanagement aller großen und vieler mittlerer Banken beschafft. Insider berichten, P. habe sich sogar dafür eingesetzt, dass die Branchenstudie früher als von der Aufsichtsbehörde BaFin geplant durchgeführt wurde. Die Ergebnisse des inzwischen fertig gestellten Werks geben intimste Auskunft darüber, wie die befragten Banken gesteuert werden. Es sei eine hochaktuelle Momentaufnahme der deutschen Finanzindustrie, sagt ein Finanzexperte. Das ist, als ob ein TÜV-Ingenieur die Baupläne neuentwickelter Automodelle kenne und dann zu einem Hersteller wechsele, empört sich ein Bankmanager. Der Wechsel habe den Anschein von Geheimnisverrat und Industriespionage. Die Bundesbank verweist darauf, dass Dienstgeheimnisse auch nach dem Ausscheiden nicht weitergegeben werden dürfen.