Bewegung im Bahn-Tarifstreit
Die Deutsche Bahn hat der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am vergangenen Mittwoch acht Prozent mehr Lohn geboten sowie einen eigenen Tarifvertrag auf der Basis des Vermittlungsangebots der beiden CDU-Politiker Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf. Dem bereits Ende August unterbreiteten Vorschlag zufolge darf die GDL künftig über alle lokführerspezifischen Punkte getrennt von den übrigen Bahnbediensteten verhandeln. Über das Angebot war strengstes Stillschweigen vereinbart worden. Während GDL-Chef Manfred Schell bislang den Eindruck erweckte, bei Erfüllung seiner Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag das Vermittlungsangebot annehmen zu wollen, garantiert es ihm nun anscheinend zu wenig Eigenständigkeit, berichten Insider. Auch das Lohnangebot ist der GDL offenbar zu gering, dennoch will der Hauptvorstand und die Tarifkommission der Gewerkschaft am Montag formal über das Angebot und eine mögliche Neuaufnahme der Tarifgespräche entscheiden. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn steht unter enormem Druck, eine Einigung mit der Gewerkschaft zu erzielen. Führende Aufsichtsräte wie auch Politiker haben ihm unmissverständlich klargemacht, dass sie keine weiteren Streiks wünschen. Zudem wird die gescheiterte Strategie der Bahn, die GDL zunächst auf dem Gerichtswege zu stoppen, intern heftig kritisiert. Stattdessen hätte die Bahn von der ersten Minute an versuchen müssen, die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu bekommen. Selbst nach den monatelangen Verhandlungen findet über die Hälfte der Bundesbürger, dass die GDL ihre Forderungen zu Recht erhebt.