Siemens-Chef Löscher rechnet mit früherer Spitze ab - DER SPIEGEL
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Siemens-Chef Löscher rechnet mit früherer Spitze ab

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der neue Siemens-Chef Peter Löscher, 50, rechnet mit dem unter seinen Vorgängern grassierenden Korruptionssystem ab: "Was ich hier vorgefunden habe, geht über Einzelfälle weit hinaus", sagte er im Interview mit dem Hamburger Nachrichten- Magazin DER SPIEGEL. Er selbst habe anfangs "die Breite" des Skandals "unterschätzt". Den "Schwerpunkt der Vorwürfe" habe er im Sommer noch in der Com- Sparte des Konzerns gesehen, inzwischen aber sei "klar: Auch andere Teile des Unternehmens waren offenkundig infiziert." Löschers Erklärung: "Klipp und klar: Die Führungskultur hat versagt." Er sehe es nun auch als seine Aufgabe an, "eine neue Kultur zu installieren. Und ich garantiere Ihnen: Der Vorstand wird sie mit digitaler Eindeutigkeit vorleben". Löscher kündigte gegenüber dem SPIEGEL "schärfste Konsequenzen" für jeden an, der sich im Konzern nicht an Regeln und Gesetze halte. 470 Manager seien "bereits sanktioniert" worden, von 130 habe sich das Unternehmen getrennt. Er will erreichen, "dass zügig und umfassend aufgeklärt wird", sagte der seit Sommer als Vorstandschef amtierende Manager. Die "vollständige Wahrheit" müsse ans Licht. Siemens wolle zudem künftig auf Aufträge verzichten, die ohne Schmiergeldzahlungen nicht zu erlangen sind. "Man muss sich deshalb nicht gleich von einem ganzen Land verabschieden, aber vielleicht von einem Projekt oder Kunden", erläutert er. Gegenüber dem SPIEGEL äußert sich der Österreicher auch zur Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler an überzogenen Managergehältern in Deutschland. "Ich halte diese Debatte gesellschaftspolitisch für sehr wichtig. Sie richtet sich ja nicht gegen hohe Gehälter an sich, sondern gegen Exzesse, bei denen Bezahlung und Leistung in keinem Verhältnis zueinander stehen." Solche Diskussionen seien durchaus nötig.