WestLB-Aufsichtsratschef vor Abberufung
Der Chef des Aufsichtsrates der WestLB, Rolf Gerlach, steht vor der Abberufung, auch als einfaches Mitglied des Gremiums. Verschiedene Anteilseigener, darunter die Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen, sind mit dem teilweisen Rückzug des Kontrolleurs nicht zufrieden. Gerlach hatte bereits angekündigt, den Vorsitz des Gremiums vorzeitig zum 1. Januar abzugeben. Gegenüber dem SPIEGEL begründete er dies damit, dass es "in diesem Aufsichtsrat derzeit keine Mehrheit" für eine Fusion mit der LBBW gebe. Einige Aktionäre fordern dagegen seine Abberufung aus dem Aufsichtsrat. Der Grund: Laut einem juristischen Gutachten, das dem SPIEGEL vorliegt, sind "wichtige Gründe" für so einen Schritt "zu bejahen", nachdem der Chefkontrolleur über ein Treffen mit drei Vorständen die Unwahrheit gesagt habe. Doch das Gutachten ist nur der Anlass für die bevorstehende Demission. Vertreter der Anteilseigner vermuten Gerlach zudem als Teil eines Komplotts mit dem Ziel, die WestLB möglichst billig an die Landesbank Baden-Württemberg zu verkaufen. Indizien dafür finden sich in einem Gesprächsvermerk über eine Sitzung zwischen Gerlach und dem Präsidenten der BaFin, Jochen Sanio. Schon damals, am 20. Juli 2007, hat Gerlach laut dem Protokoll, das dem SPIEGEL ebenfalls vorliegt, gesagt, "dass ein Notverkauf von den Sparkassen als Anteilseignern möglicherweise hingenommen werde, dass jedoch mit Widerstand durch das Land gerechnet werden müsse". Die Staatsanwälte machten bei einer anschließenden Zusammenkunft deutlich, dass verschiedene Vorstände des Institutes "als Volltäter bei Kursmanipulationen engagiert gewesen seien". Sanio forderte, ohne die Betroffenen zu diesem Zeitpunkt überhaupt angehört zu haben, dass der Aufsichtsrat sich "dafür auszusprechen habe, alle amtierenden Vorstände abzuberufen". Andernfalls werde "sehr kurzfristig", ein Abberufungsverfahren eingeleitet. "Entlastende Argumente sind", laut dem Protokoll, "von Herrn Sanio und dessen Mitarbeitern zurückgewiesen worden".