Dieter Hildebrandt: "Ich halte Lafontaine für einen Demagogen"
Der Kabarettist Dieter Hildebrandt würde für die heutige SPD keinen Wahlkampf mehr machen wie einst für Willy Brandt. "Die SPD hat ihr altes Ziel verraten, die Partei der Schwachen zu sein. Sie will neue Mitte sein. Okay, das mag einen Großteil der deutschen Bevölkerung ansprechen. Aber ein paar Millionen werden da ausgespart", sagte er dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Aus dem gleichen Grund werde er aber jetzt für den bayerischen SPD-Fraktionschef Franz Maget werben. Er leide mit ihm, "wenn er gegen einen CSU-Langweiler wie Günther Beckstein antreten muss", so Hildebrandt. Der Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine ist für den Kabarettisten jedoch keine Alternative. Er halte Lafontaine für einen Demagogen. "Der macht in meinen Augen Gelegenheitspolitik, die das aufschnappt, was bei den anderen abfällt. In Kanzlerin Angela Merkel sieht Hildebrandt eine gute Zielscheibe fürs Kabarett, "weil sie alles personifiziert, was man Politikern unterstellt: Berechnung, Machthunger, rabiate Kampfmethoden, Vernichtungswillen gepaart mit einer in der Uckermark verwurzelten Illusion von Harmlosigkeit". Insgesamt seien Politiker früher noch dankbarere Gegner gewesen. "Vor 20 Jahren wimmelte es in den Kabinetten noch vor Personen. Heute wimmelt es vor Funktionären abgeflacht wie Kieselsteine durch das lange Hin- und Herschwimmen. Wenn ich heute eine Rede von Herbert Wehner parodiere, hat das Publikum Tränen in den Augen " Über deutschen Humor sagte Hildebrandt: "Wir Deutschen beugten uns nur immer dem Urteil der anderen, wir hätten gar keinen Humor. Und uns fiel nichts Besseres ein, als diesem Klischee entsprechen zu wollen. Dabei sind wir ein durchaus humorbegabtes Volk."