Kreml plant Teilprivatisierung des Güterschienenverkehrs
Künftig sollen sich private Investoren an den russischen Eisenbahnen beteiligen können. Nach den Plänen des Kreml soll dabei zunächst der Güterverkehr des nach den USA zweitgrößten Bahn-Systems für private inländische Kapitalgeber geöffnet werden. Die Russischen Eisenbahnen sind als Aktiengesellschaft in hundertprozentigem Staatsbesitz. Das Unternehmen kann den wachsenden Transportbedarf der Wirtschaft nicht mehr decken. Lokomotiven und Waggons stammen überwiegend aus der Sowjetzeit und sind verschlissen, 73 Prozent der Elektroloks sind schrottreif. Bahnchef Wladimir Jakunin, Intimus von Präsident Wladimir Putin, kann sich daher für die Zukunft "private Loks" vorstellen. Sergej Iwanow, stellvertretender Regierungschef, will im Schienenverkehr gar "einen Wettbewerb verschiedener Anbieter" erreichen. Bis Februar wollen Regierungsexperten ein konkretes Reformkonzept vorlegen. Alexander Schukow, fürs Operative der Bahn-Reform zuständiger Vizepremier, drängt aufs Tempo: "Wir brauchen schneller unabhängige Unternehmen im Güterverkehr." Gegen Widerstände in der Bahn-Bürokratie fordert der Vizepremier die "Schaffung von Wettbewerbsbedingungen". 80 Prozent des russischen Güterverkehrs werden auf der Schiene bewegt. Nur eine "qualitative Erneuerung" des Schienenverkehrs, mahnte Putin kürzlich auf einem Eisenbahnerkongress, könne einen "ernsthaften Impuls für einen sozialen und wirtschaftlichen Aufschwung" in Russland geben.