Sportrechte-Agentur ISMM soll Funktionäre mit 18,2 Millionen Schweizer Franken bestochen haben
Die Schweizer Sportvermarktungs-Holding ISMM soll Sportfunktionäre, darunter auch Vertreter der Fifa, mit 18,2 Millionen Schweizer Franken geschmiert haben. Dies geht aus einer 228 Seiten umfassenden Anklageschrift der Staatsanwaltschaft des Schweizer Kantons Zug für einen am 11. März in Zug beginnenden Strafprozess gegen sechs frühere Manager des Konzerns hervor. Demnach soll die Sportrechte- Holding Ende Mai 1999 exakt 36.130.220,05 Franken auf ein Konto der Stiftung Sunbow bei der Liechtensteiner LGT-Bank eingezahlt haben. Die Ermittler sind überzeugt, dass 18.198.310 Franken davon "an Personen überwiesen wurden, die direkt oder indirekt mit Verträgen, welche die ISMM Gruppe abschloss, in Zusammenhang standen. Bei diesen Beträgen handelt es sich um Vergünstigungen bzw. Schmiergelder". Demnach sollen 211.625 Franken an Nicolás Leoz gezahlt worden sein, den Präsidenten des Südamerikanischen Fußballverbandes. 15.975 Franken soll Muhidin Ndolanga bekommen haben, der frühere Präsident des Fußballverbandes von Tansania. Ndolanga bestreitet die Vorwürfe, Leoz äußerte sich nicht. Die restlichen Millionen sollen nach Erkenntnissen der Fahnder zunächst in einem Geflecht von Tarnfirmen versickert sein. So flossen rund 11 Millionen Franken an die ebenfalls in Liechtenstein gemeldeten Stiftungen Sicuretta und Taora. Von dort gelangten die Millionen nach Überzeugung der Ankläger in die Hände von Jean- Marie Weber, zum Zeitpunkt der ISMM-Insolvenz im Mai 2001 Verwaltungsrats- Vizepräsident. Weber soll das Geld an korrupte Funktionäre weitergereicht haben. Gegenüber den Ermittlern weigerte sich Weber, die Namen der Bestochenen zu nennen. Diese Zahlungen seien "vertraulich" gewesen, gab er zu Protokoll. Er sprach von "Provisionen" oder "Honoraren", die "parallel zum Kauf oder Verkauf von Rechten" bezahlt worden seien. Zum Zeitpunkt der Konzernpleite war die ISMM auch im Besitz von Fernseh- und Marketingrechten der Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006, für die sie der Fifa mindestens 2,2 Milliarden Franken garantierte. Ob Weber vor Gericht die Namen nennt, ist offen. Im Protokoll eines Telefonats, das einer seiner Anwälte führte und das den Ermittlern in die Hände fiel, heißt es: "Die Empfänger dieser Gelder könnten in eine peinliche Situation geraten." Fifa-Präsident Blatter machte auf Anfrage des SPIEGEL deutlich: "Ich habe weder im Zusammenhang mit der Vergabe von Rechten noch unter anderen Umständen nie Gelder entgegengenommen noch für mich entgegennehmen lassen."