Sarkozy sticht Deutschland im Kampf um Nato-Gipfel aus
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy landet einen neuen Coup zu Lasten der Bundesregierung. Der für kommendes Jahr in Berlin geplante Jubiläumsgipfel der Nato soll nach Frankreich verlegt werden, vorzugsweise nach Paris. Zwar dementiert die Bundesregierung, dass jemals ein Gipfel zum 60. Gründungstag der Allianz in der deutschen Hauptstadt geplant gewesen sei. Das sei nur so eine Idee Washingtons gewesen, vorgetragen beim Istanbuler Treffen der Staats- und Regierungschefs 2004, streuten Diplomaten Ende vergangener Woche. Tatsächlich aber liefen intern schon Vorbereitungen. So wurde wegen Bedenken der Sicherheitsbehörden gegen den Austragungsort Berlin untersucht, ob die Jubelveranstaltung im Gästehaus Meseberg in Brandenburg oder an der Ostsee in Heiligendamm stattfinden könne. Um Sarkozy entgegenzukommen, ließ Kanzlerin Angela Merkel auch sondieren, ob man das Treffen gemeinsam am Rhein begehen könne, im französischen Straßburg und dem deutschen Städtchen Kehl. Nun aber reklamiert Sarkozy den Gipfel ganz für Frankreich. Er will offenbar die Rückkehr des Landes in die Militärstrukturen der Allianz verkünden, aus denen die Streitkräfte 1966 auf Geheiß des Präsidenten-Generals Charles de Gaulle ausgeschieden waren. Erst kürzlich hatte Sarkozy den Deutschen schon eine andere Großveranstaltung abgejagt: Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) musste eine für den Juni geplante Afghanistan-Konferenz an Paris abtreten, seine Diplomaten sollen aber trotzdem die Vorarbeiten erledigen.