RWE-Konzern will sein Stromnetz in eine Europa-Gesellschaft überführen - DER SPIEGEL
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RWE-Konzern will sein Stromnetz in eine Europa-Gesellschaft überführen

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

RWE-Chef Jürgen Großmann möchte eine europäische Netzgesellschaft gründen und die milliardenteuren Hochspannungsleitungen seines Konzerns darin einbringen. Entsprechende Papiere hat der umtriebige RWE-Chef bereits an zuständige Stellen in Brüssel und Berlin verteilen lassen. Demnach schwebt Großmann vor, dass Stromfirmen aus Frankreich, Deutschland oder den Benelux-Staaten ihre Netze an eine gemeinsame europäische Gesellschaft abgeben. Das neue Unternehmen soll nicht nur eine sichere Stromversorgung in der EU gewährleisten. Es soll auch dafür sorgen, dass alle Marktteilnehmer Zugang zu den wichtigen Leitungen erhalten. Schon Anfang dieser Woche, bei einem Treffen der Energiewirtschaft mit Kanzleramtsminister Thomas de Maizière in Berlin, könnten die neuen Überlegungen erörtert werden. Grund für Großmanns Aktivitäten: Vor zwei Wochen hatte sich Erzrivale E.on überraschend mit EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes darauf geeinigt, seine Stromnetze zu verkaufen, um einer drohenden Kartellstrafe in Milliardenhöhe zu entgehen. Seitdem geht bei RWE die Angst um, dass Kroes demnächst auch bei dem Konzern mit ähnlichen Forderungen vorstellig werden könnte. Mit der möglichen Gründung einer EU-Netzgesellschaft will Großmann einem drohenden Zwangsverkauf zuvorkommen. Ganz uneigennützig ist der Vorstoß des RWE-Chefs allerdings nicht. Denn an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen, so der Plan, will RWE große Anteile, wenn möglich sogar die Mehrheit übernehmen.