Ex-Chef der "Berliner Zeitung" verteidigt Stasi-IM Leinkauf - DER SPIEGEL
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Ex-Chef der "Berliner Zeitung" verteidigt Stasi-IM Leinkauf

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Der frühere Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Michael Maier, hat in einem Beitrag für den SPIEGEL seinen damaligen Reportagechef und Ex-Stasi-Spitzel Thomas Leinkauf verteidigt. "Die nun aufgetauchte Akte über meinen ehemaligen Reportagechef interessiert mich nicht. Leinkauf hat sie, nach 30 Jahren, überlebt." Im "Ensemble aus Tätern und Opfern" bei der "Berliner Zeitung" sei Leinkauf ein besonderer Leistungsträger gewesen, so Maier. "Als Einziger war er zu mir gekommen und hatte freiwillig ein schon lange zurückliegendes Unrecht bekannt. Ich habe in seiner spröden Reaktion Reue erkannt." Maier berichtet, Leinkauf sei im Frühsommer 1996 in sein Büro gekommen. "Anders als mein Vorgänger Erich Böhme hatte ich kein Verständnis für radikale Alt-Kommunisten. Die große Flut, die die Akten wegspülen sollte, wünschte ich nicht. Eher eine Sintflut, in der sich die Spreu vom Weizen trennen sollte." Es habe jedoch nur eine harte Regel gegeben: Jeder, von dem eine Akte gefunden wurde, habe gehen müssen. "Jedem war klar: Der Fund einer Akte bedeutete das berufliche Todesurteil, auch wenn wir der Öffentlichkeit nie mitteilten, warum einer gehen musste." Er sei überrascht gewesen, als sich Leinkauf bei ihm auf das Sofa gesetzt und gesagt habe: "Ick muss mit Ihnen über etwas reden." Dann habe er eröffnet, dass er als Student gespitzelt habe. Nicht lange habe es gedauert, es sei zwanzig Jahre her und er sei jung gewesen. Aber es sei nun mal eine Schweinerei gewesen. "Ich sagte: ,Sie wissen, dass Sie dran sind, wenn es eine Akte gibt?' Er nickte, und ich merkte, dass seine Hände zitterten. ,Und?', fragte ich. ‚Det war Scheiße', sagte Leinkauf."