Stasi-Vorwürfe Früherer Ullrich-Masseur unter Spitzel-Verdacht
Siebzehn Jahre lang knetete Dieter Ruthenberg die Muskeln von Telekom-Stars wie Jan Ullrich und Erik Zabel. Der Physiotherapeut, den alle in der Branche "Eule" nennen, war, wie er selbst sagt, "eine Art Beichtvater" für die Radprofis. Beim Zusammenpuzzeln von Stasi-Akten, die in der Wendezeit zerrissen worden waren, fand die Birthler-Behörde jetzt heraus, dass die Stasi Ruthenberg von 1976 bis Ende 1989 in der DDR offenbar als Inoffiziellen Mitarbeiter führte.
In einer über 400 Seiten dicken Akte berichtet IM "Sascha" beispielsweise über den Sexalltag im Spitzensport. Eine Kollegin "ist lesbisch", eine andere Frau spreche offen Männer an, "wenn sie sexuelle Bedürfnisse" habe. Der Freund dieser Kollegin, erzählt "Sascha" laut Akte, bezeichne die DDR als "Scheiß-Osten". Ein Betreuer habe "wertvolles Massageöl" aus der BRD besorgt, um sein Trainingszentrum damit zu versorgen.
Und über ein Team-Mitglied bei der WM 1989 in Frankreich heißt es, der Mann stehle "in größeren Mengen Toilettenpapier", um es anschließend in der DDR zu "verhökern". Natürlich berichtet IM "Sascha" auch über sportliche Belange: über Athleten, die in schlechtem Trainingszustand seien, über einen Trainer, der aus Wut mit einem Kleinbus eigene Fahrer in den Graben gedrängt habe, und über die große Rivalität zu sowjetischen Fahrern. Der berühmte usbekische Sprinter Dschamolidin Abduschaparow soll etwa versucht haben, einem DDR-Konkurrenten ins Gesicht zu spucken. Gegenüber dem SPIEGEL erklärte Ruthenberg, er könne sich nicht erklären, wie die Akte zustande gekommen sei. Er kenne den Namen IM "Sascha" nicht und habe der Staatssicherheit wissentlich keine Informationen geliefert.
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