Einzelhandel und Molkereien dämpfen Milchpreiserwartung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Einzelhandel und Molkereien dämpfen Milchpreiserwartung

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Triumph deutscher Milchbauern gegen Dumpingpreise im hiesigen Einzelhandel sieht nach einem Pyrrhussieg aus. Zwar hatte der Discounter Lidl angekündigt, die Preise für Milch und Butter ab Montag dieser Woche zu erhöhen, doch noch scheint es fraglich, ob der gesamte Einzelhandel mitzieht. Das Handelsunternehmen Edeka, von dem es hieß, es wolle faire Preise zahlen, erwägt, vorerst nur den Milchpreis anzuheben, sagte eine Sprecherin. Die Bauern werden von dieser Erhöhung zudem kaum etwas spüren. Nur gut 13 Prozent der Milch verarbeiten die Molkereien zu Trinkmilch. "Bei der Menge, die wir an Lidl liefern, kommt etwa 0,3 Cent Mehrerlös dabei heraus", so Nordmilch-Vorstand Martin Mischel. Die Lidl- Ankündigung habe auch etwas von einer "PR-Aktion" gehabt, so Mischel. Der Discounter, der bei den Milchverarbeitern als grober Preisdrücker gilt, hatte mit seiner "sozialen Verantwortung der deutschen Landwirtschaft gegenüber" geworben. Einen Tag später sprach Klaus Gehrig, Chef der Lidl-Mutter Schwarz-Gruppe, allerdings schon von zukünftigem "größeren Druck" auf den Milchpreis. Verhandelt hatte Lidl nicht mit den Initiatoren des Streiks vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), sondern mit dem Bauernverbandspräsidenten Gerd Sonnleitner, der durch den BDM an Einfluss unter den Bauern eingebüßt hat. Das Gespräch am Mittwoch vergangener Woche wurde als "tagelanges zähes Ringen" verkauft. Zu Sonnleitner hat der Discounter offenbar einen Draht: Erst vor gut einem Jahr war Lidl auf der Grünen Woche Partner des Bauernverbands.