TUI-Großaktionär Mordaschow will Hamburger Konsortium bei Hapag-Lloyd-Verkauf nicht bevorzugen
Beim anstehenden Verkauf von Hapag-Lloyd kann das Konsortium Hamburger Geschäftsleute, das für die Tui-Containerschiffsparte bieten will, keine bevorzugte Behandlung erwarten. Ausschlaggebend für die Entscheidung, wer den Zuschlag bekommt, sei der Verkaufserlös, sagte der russische Großaktionär Alexej Mordaschow in einem Gespräch mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL.
"Wer am meisten bietet, soll das Unternehmen bekommen." Ausweichend reagierte Mordaschow auf die Frage nach der Zukunft für die 8000 Beschäftigten von Hapag-Lloyd. Dies sei eine Frage an das Management: "Die Schiffe sind schon immer gefahren und werden es auch weiter tun", so Mordaschow. Mit dem Verkaufserlös soll der Reisekonzern Tui nach seinen Vorstellungen die Schuldenlast verringern. "Das ist eines der Probleme, die gelöst werden könnten."
Der russische Unternehmer ist mit rund zehn Prozent am Tui-Konzern beteiligt. Mordaschow verteidigte die Strategie, Hapag-Lloyd zu verkaufen und sich auf das Reisegeschäft zu konzentrieren. "Hier bieten sich einfach die besseren Aussichten." Der Tui-Konzern besitze großes Wachstumspotential, insbesondere im Reisegeschäft: "Russland hat 142 Millionen Einwohner, deren Kaufkraft stetig zunimmt und die vor allem einen Wunsch haben: endlich zu verreisen."
Zugleich wehrte er sich gegen den Eindruck, russische Unternehmer würden vom Kreml politisch gelenkt. "Ich treffe meine Entscheidungen selbst. Ich kann mir aber mitunter das Grinsen nicht verkneifen, wenn solche Behauptungen aus Deutschland kommen. Wenn deutsche Großunternehmen Investitionen im Ausland planen, beraten sie sich durchweg mit dem Kanzleramt, manchmal auch mit dem Außenministerium."
Russland besitze eine freiere Wirtschaft als viele Länder im Rest Europas, meinte Mordaschow.