Steinmeier warnt seine Partei vor Kurswechsel
Vizekanzler und Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat die SPD vor einem Kurswechsel gewarnt. Bei einer Besprechung mit den SPD-Bundesministern übte Steinmeier scharfe Kritik an immer neuen Forderungen aus seiner Partei nach einer Abkehr von der bisherigen Parteilinie. Anlass waren unter anderem die Vorschläge von Umweltminister Sigmar Gabriel zu einer Reform der Pendlerpauschale. Das könne man ja so machen, erklärte Steinmeier bei dem vertraulichen Treffen. Aber das sei dann nicht mehr seine Politik. Wenn so der Kurs der SPD aussehe, dürfte niemand von ihm erwarten, dass er für diesen Kurs einstehe.
Unterdessen wächst in der SPD die Angst vor einem möglichen Putsch gegen Parteichef Kurt Beck in der Sommerpause. Nach SPIEGEL-Informationen will Fraktionschef Peter Struck die letzten Sitzungen des Bundestags vor dem Sommer dazu nutzen, um seine Abgeordneten auf eiserne Selbstdisziplin einzuschwören. Öffentliche Kritik am Vorsitzenden oder am Kurs der Partei soll unterbleiben.
Die Chefs der Fraktionsflügel "Seeheimer Kreis", "Parlamentarische Linke" und "Netzwerker" wollen in internen Gesprächen einen Treueschwur vereinbaren. Es wird überlegt, in mehreren Punkten festzuhalten, wie man gemeinsam die SPD aus der Krise führen kann. Das Willy-Brandt-Haus will Kontakt mit Genossen aufnehmen, die in der Vergangenheit dadurch auffielen, dass sie in der nachrichtenarmen Zeit für Streitigkeiten sorgten, zum Beispiel der Sprecher des Seeheimer Kreises Johannes Kahrs. Solche unsicheren Kandidaten sollen in Einzelgesprächen zur Disziplin gemahnt werden.