Studentenmobilität verzerrt Bevölkerungsstatistik - DER SPIEGEL
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Studentenmobilität verzerrt Bevölkerungsstatistik

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Mobilität von Studenten und Akademikern bis 35 Jahre ist eine wesentliche Ursache für die vielen Karteileichen in deutschen Melderegistern. Vorige Woche hatte das Statistische Bundesamt eine auf Stichproben basierende Hochrechnung veröffentlicht, wonach in Deutschland statt der bislang errechneten 82,2 Millionen Einwohner nur 80,9 Millionen leben. Hintergrund: Die Ämter melden zugezogene Bürger manchmal nicht oder verspätet am alten Wohnort ab. Außerdem werden oft Zweitwohnungen irrtümlich als Hauptwohnsitz registriert. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert aufgrund der offenkundig fehlerhaften Daten "reale Einwohnerzahlen", die sich geografisch zuordnen ließen. Insbesondere für einige Städte der Flächenstaaten befürchtet er "finanzielle Einbrüche", da diese bei geringerer Einwohnerzahl durch den Länderfinanzausgleich benachteiligt sind. Bei der nächsten Volkszählung im Jahr 2011 sollen zunächst die Melderegister sowie Register anderer Bundesbehörden ausgewertet und mit Stichproben aus Befragungen von sieben bis neun Prozent der Bevölkerung ergänzt werden. Korrigierte Bevölkerungsdaten, erklärt Bernd Michel vom Statistischen Bundesamt, können sich auf die Gehälter von Bürgermeistern, die Planung von Kindergärten und die Größe der Stadtparlamente auswirken: "Im Extremfall ist sogar mit einer Verschiebung der Stimmgewichtung im Deutschen Bundesrat zu rechnen."