Kartellamtschef Heitzer verteidigt Veto gegen die Vermarktungspläne von Bundesliga und Kirch - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kartellamtschef Heitzer verteidigt Veto gegen die Vermarktungspläne von Bundesliga und Kirch

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Chef des Bundeskartellamts, Bernhard Heitzer, hat sich gegen die Kritik der Deutschen Fußball Liga (DFL) zur Wehr gesetzt. Heitzer will der DFL die Zentralvermarktung der Fußball-Rechte aller Profi-Vereine notfalls verbieten, sollte die DFL die sogenannte Highlight-Berichterstattung erst nach 22 Uhr im frei zugänglichen Fernsehen ermöglichen. Die Aufgabe des Kartellamts sei es nicht, "über die vermeintliche Zukunft des deutschen Fußballs zu befinden", sagte Heitzer dem SPIEGEL. "Unsere Aufgabe ist es, Kartelle zu verhindern." Bei der Zentralvermarktung handelt es sich unstrittig um ein Kartell. Allerdings gibt es die gesetzliche Möglichkeit, das Kartell "freizustellen", "wenn die Verbraucher angemessen an den Vorteilen des Kartelles beteiligt werden", so Heitzer. Diesen Vorteil sehen die Kartellbeamten nur, wenn die Highlight-Berichterstattung vor 20 Uhr im Free-TV gegeben ist. Die EU dagegen hatte der DFL bezüglich der Sendezeit 2005 keine Auflagen gemacht. Heitzer dazu: "Bis dato gab es keinen vergleichbaren Fall – und ob die EU beim heutigen Modell der DFL und den Erfahrungen in England genauso entscheiden würde, weiß niemand." In England hat ein ähnlicher Vorstoß der dortigen Liga zu einem Einbruch bei den absoluten Zuschauerzahlen und einer Verteuerung für die Pay-TV-Nutzer geführt. Der Kartellamtschef verteidigte zudem einige umstrittene Verbote von Fusionen unter Medienkonzernen. "Wir haben hier schon einmal die Gleichschaltung der Presse erlebt", sagte er, "so etwas geht leichter, je größer die Konzerne sind. Die mediale Meinungsvielfalt ist ein Gut, das wir gar nicht hoch genug einschätzen können. Deswegen gibt es die besonders strenge Pressefusionskontrolle."