Dealer Heredia belastet Greene - DER SPIEGEL
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Dealer Heredia belastet Greene

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der mexikanische Drogenbeschaffer Angel Heredia, der neun Jahre lang die Leichtathletik- Weltelite mit Drogen versorgte und als Kronzeuge der US-Justiz unter anderen gegen die Sprinterin Marion Jones und den Trainer Trevor Graham aussagte, berichtet im Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL, wie er den 100-Meter-Olympiasieger von 2000 Maurice Greene mit Doping versorgt hat. "Ich habe ihn ausgestattet, wir haben 2003 und 2004 zusammengearbeitet", sagt Heredia. Er habe Greene die Wachstumsfaktoren IGF-1 und IGF-2, das Blutdopingmittel Epo und zur Stärkung der Muskelkontraktion ATP (Adenosintriphosphat) gegeben. Die Behauptung Greenes, sauber gewesen zu sein, bezeichnet Heredia als "Lüge". Greene ist heute Botschafter der IAAF, des Internationalen Leichtathletikverbandes. Über den Beginn seiner Zusammenarbeit mit Sportlern aus den USA, Jamaika, den Bahamas und Mexiko, 41 davon aus der Leichtathletik, sowie deren Trainern sagt Heredia im SPIEGEL: "Es spricht sich herum, wer was wie schnell und zu welchem Preis besorgen kann, wer diskret ist. Die Trainer sprachen mich an und fragten, ob ich helfen könne, und ich sagte: Ja. Dann bekam ich Geld, 15.000 Dollar oder so." Gemeinsam mit den Athleten habe er herausgefunden, was für welchen Körper gut war und welche Abbauzeiten galten. "Ich machte Pläne für Cocktails und Kuren, je nach dem Geld, das der Athlet mir anbot." Bei Marion Jones, sagt Heredia, sei es vor allem um die Erholungsphasen gegangen. "Sie bestritt 2000 Wettkampf auf Wettkampf, sie brauchte Entspannung." Sie habe deshalb Epo, Adrenalin, Insulin und Wachstumshormon bekommen. Heredia entwickelte auch eigene Mittel: "Epo ist schick. Aber Epo funktioniert ohne die Zufuhr von Eisen nur halb so gut, so etwas muss man wissen." Sein Mittel "Epo Boost" verzehnfache die Wirkung von Epo. Angst vor Doping-Tests hatte er nicht: "Designerdrogen setzen sich aus mehreren Chemikalien zusammen, die die gewünschte Reaktion herbeiführen, und dann verändere ich am Ende der Kette ein, zwei Moleküle so, dass die ganze Struktur den Rastern der Fahnder entgleitet." Beim 100-Meter-Finale in Peking "werden wir nicht mal einen sauberen Teilnehmer" erleben, sagt Heredia. Das Doping- Problem in der Leichtathletik sei allerdings auch kein rein amerikanisches. "Alle Länder, alle Verbände, alle Spitzensportler sind betroffen." Trotzdem schließt Heredia nicht aus, dass die Fahnder das Rennen gegen den Doping-Missbrauch noch gewinnen können: "Wenn sich alle Verbände und Sponsoren und Manager und Sportler und Trainer einig sind und alles Geld, das der Sport einbringt, einsetzen und wenn jeder Sportler zweimal pro Woche kontrolliert wird."