Berliner Justizsenatorin will schärfer gegen Modedroge Tilidin vorgehen
Die Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) will schärfer gegen den grassierenden Missbrauch tilidinhaltiger Schmerzmittel vorgehen. "Man hat Tilidin viel zu lange nicht als Droge wahrgenommen", sagt die Senatorin, "wir haben das Problem unterschätzt." Vor allem Jugendliche schlucken das Opioid wegen seiner berauschenden Nebenwirkungen, es wirkt euphorisierend, kann aber auch aggressiv und abhängig machen. Weil zumeist türkisch- und arabischstämmige Jugendliche mit den typischen braunen Fläschchen aufgegriffen werden, spricht von der Aue von einer "Droge für die Parallelgesellschaft". Die Senatorin hat gerade Strafgefangene der Berliner Jugendstrafanstalt in Plötzensee im Rahmen der üblichen Drogentests erstmals auf Tilidin testen lassen. Ergebnis: Nach Cannabis ist es hinter Gittern die am meisten konsumierte Droge. Zudem grassiert mittlerweile bundesweit die Beschaffungskriminalität. Allein in Berlin flogen im vorigen Jahr 2480 Rezeptfälschungen auf, mehr als 90 Prozent betrafen tilidinhaltige Medikamente. Von "regelrechten Rezept-Raubzügen durch die Apotheken der Republik" spricht Michael Redel, der für den Verband der Angestellten-Krankenkassen den Bereich Abrechnungsmanipulation betreut. Zuletzt waren verstärkt Städte in Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt betroffen. Senatorin von der Aue will sich deshalb jetzt auch im Bundesrat dafür stark machen, Tilidin künftig voll dem Betäubungsmittelgesetz zu unterwerfen. BTM-Rezepte sind durchnummeriert, mehrfarbig auf speziellem Papier gedruckt und somit schwer zu fälschen. Die Berliner Justizsenatorin will das Thema Tilidin schon bei der ersten Telefonschaltkonferenz der Länderjustizminister nach der Sommerpause auf die Tagesordnung setzen.