Deutsche verlieren Führung der Europäischen Polizeimission in Afghanistan
Unter keinem guten Stern steht die bislang von Deutschland geführte Europäische Polizeimission (Eupol) in Afghanistan: Wie das Bundesinnenministerium (BMI) auf Anfrage bestätigt, wird der bisherige Missionsleiter, Brigadegeneral Jürgen Scholz, das Amt zum 30. September abgeben ein knappes Jahr nach Dienstantritt. Sein Vorgänger Friedrich Eichele, vormals Chef der Elite-Einheit GSG 9, war voriges Jahr nach wenigen Wochen abgelöst worden. Scholz gehe indes "auf eigenen Wunsch" und habe einen "guten, erfolgreichen Job" gemacht, behauptet ein BMI-Sprecher. Ein-Jahres-Verträge seien bei Polizei-Missionen üblich. Mit Scholz wird Deutschland auch die Führung der Polizei-Ausbildungsmission verlieren, die erst im Juni 2007 während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ins Leben gerufen worden war. Der zuständige EU-Außenbeauftragte Javier Solana hat als Nachfolger offenbar bereits einen Schweden ausgewählt, Deutschland wird künftig nur noch den Stellvertreter stellen. Zuletzt hatten die EU-Außenminister entschieden, die Mission von rund 200 auf 400 Ausbilder zu verdoppeln, auch das deutsche Kontingent soll auf mehr als 100 Mann aufgestockt werden. Der Mangel an gutausgebildeten Ordnungskräften gilt weiter als eines der zentralen Probleme am Hindukusch. Auf seinem letzten Afghanistan-Trip im Juli stellte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eine Art Crashkurs für afghanische Polizei-Nachwuchskräfte vor als neues, eigenständiges Polizei-Projekt neben Eupol. Sechs bis acht Wochen soll das Training in einem abgesicherten Camp bei Masar-i-Sharif für 200 Bereitschaftspolizisten dauern. Berlin sucht derzeit in Bund und Ländern händeringend nach geeigneten Kurzzeitausbildern.