BND half US-Truppen beim Sturm auf Bagdad
Der SPD-Kanzlerkandidat und heutige Außenminister Frank-Walter Steinmeier sieht sich neuen Vorwürfen wegen des Einsatzes von zwei deutschen Agenten während des Irak-Kriegs ausgesetzt. Vertrauliche Unterlagen des Bundesnachrichtendienstes (BND) belegen, dass das Geheimdienstkommando nicht nur eine Fülle von Lagebildern und GPS-Koordinaten lieferte, sondern auch bei der Vorbereitung der Eroberung Bagdads ("Operation Thunder Run") eine unterstützende Rolle spielte. Der damalige Kanzleramtschef Steinmeier hatte den Einsatz nicht nur autorisiert, sondern die politische Direktive ausgegeben, es solle "keine aktive Unterstützung für Kampfhandlungen" geben. Die Dokumente zeichnen ein anderes Bild: Am Morgen des 4. April 2003 erhielten die BND-Agenten mit den Tarnnamen Reiner Mahner und Volker Heinster von ihrer Pullacher Zentrale telefonisch den Hinweis, US-Streitkräfte stünden vor der Entscheidung, nach Bagdad einzumarschieren: "Daher sind aktuelle Infos zum Lagebild in Bagdad von größter Wichtigkeit." Die Beamten sagten laut Unterlagen daraufhin zu, sich "bei ihrer Erkundung bezüglich der Gesichtspunkte der US-Streitkräfte umzuschauen". Tatsächlich meldeten sie eine Zunahme von Stellungen rund um das bereits zerstörte Gelände eines Offiziersclubs. "Erstmalig wurden auch MG-Stellungen gesichtet." Am Mittag des 4. April gaben sie telefonisch nach Deutschland durch, das irakische Militär verstecke sich mittlerweile "in Rohbauten und schützt sich mit Sandsäcken". Einen Tag später arbeiteten sie einen weiteren US-Auftrag ab und übermittelten Fotos von einer vermuteten Verteidigungsstellung im Hotel Sheraton "zur sofortigen Weitergabe" an die US-Kräfte. Pflichtschuldig meldeten sie darauf: "Auftrag ausgeführt". Für das US-Militär waren derlei Beobachtungen wichtig: Die amerikanischen Dienste waren selbst nicht in der Stadt vertreten. Auch die Luftaufklärung gestaltete sich schwierig die Iraker hatten in Schützengräben große Mengen Öl in Brand gesetzt, der Himmel war vom Qualm verhängt. Nach Angaben von US-Militärs spielten die Informationen aus Deutschland bei der Vorbereitung des Sturms auf Bagdad eine Rolle. Am Nachmittag des 4. April änderten die Militärs ihre Pläne und entschieden sich unter anderem aufgrund der deutschen Meldungen für einen schnellen Vorstoß. In dieser Woche werden die beiden Agenten vor dem BND-Untersuchungsausschuss aussagen.