CDU-Bundestagsabgeordneter Ulrich Adam und IOC-Vizepräsident Thomas Bach stärker in Siemens-Skandal verwickelt als angenommen - DER SPIEGEL
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CDU-Bundestagsabgeordneter Ulrich Adam und IOC-Vizepräsident Thomas Bach stärker in Siemens-Skandal verwickelt als angenommen

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Kurz vor Beginn des Prozesses gegen Wilhelm Schelsky, den Ex-Chef der von Siemens finanzierten Scheingewerkschaft AUB, geraten zwei prominente Freunde des Angeklagten unter Druck: Ermittlungsergebnisse der Sonderkommission "Amigo" legen den Verdacht nahe, dass der CDU-Bundestagsabgeordnete und Merkel-Vertraute Ulrich Adam und der Vize-Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, bislang über ihre Rolle im Geflecht um Schelsky und Siemens falsche Angaben gemacht haben. So hatte Adam gegenüber dem Bundestagspräsidenten lediglich eingeräumt, dass er von Schelsky verdeckte Wahlkampfzuwendungen im Gesamtwert von rund 60 000 Euro erhalten habe. Die Fahnder gehen indes von einer mehr als dreimal so hohen Summe aus. 200840,58 Euro hat Adam ihren Berechnungen zufolge an "Zuwendungen/Schenkung" von Schelsky kassiert. Selbst die Kosten eines Mobiltelefons (Anbieter: Talkline) hat der Scheingewerkschafts-Boss, so die Ermittler, für den Abgeordneten von Januar 2000 bis Dezember 2006 beglichen - insgesamt 11363,36 Euro. Adam wollte zu den Vorwürfen "mit Rücksicht auf das laufende Verfahren keine öffentliche Stellungnahme abgeben". Für die Ermittler aber scheint der Fall klar: "Die konspirative Vorgehensweise aller Beteiligten" zeige "deutlich das vorsätzliche Handeln der Beschuldigten und ihr Wissen um die Unrechtmäßigkeit ihres Tuns". Auch IOC-Vizepräsident Bach, der auf Schelskys Vermittlung einen mit 400 000 Mark dotierten Beratervertrag mit Siemens hatte (SPIEGEL 17/08), gerät in Erklärungsnot. Der Wirtschaftsanwalt hatte gegenüber dem SPIEGEL behauptet, er habe stets strikt zwischen seinen "geschäftlichen Tätigkeiten" und seinen "ehrenamtlichen Funktionen im Sport" getrennt. Eine E-Mail vom 31. Januar 2005, die Bach an den Siemens-Vorstand Rudi Lamprecht schickte, liest sich dagegen anders. Damals bemühte sich Siemens darum, Kuweit als Großinvestor zu gewinnen, und Bach meldete, sein "Freund und Kollege, Energieminister Scheich Ahmad al-Sabah", sei derzeit für eine vertrauliche Anfrage zum Stand der Verhandlungen schwer erreichbar. Am 9. März meldete der IOC-Funktionär dagegen an den Siemens-Vorstand, er habe "die Investitionsfrage noch einmal mit dem Energieminister vertraulich besprochen". Da Bach kein Minister und der Scheich kein Rechtsanwalt ist, ergibt sich daraus, dass Bach den Scheich bei seiner Siemens-Tätigkeit nur in einer anderen Hinsicht als Kollegen angesprochen haben kann: Sabah ist Mitglied des IOC. Bach dementiert dennoch jede Verquickung "zwischen dem IOC-Ehrenamt" und seiner "beruflichen Tätigkeit". Es gebe aber "vielfältige Lebenssachverhalte, in denen sich persönliche, durch Freundschaften oder auch Ehrenämter begründete Bekanntschaften und berufliche Kreise überschneiden".