Offenbar weit mehr Kandidaten für SPD-Vorsitz im Gespräch als bisher bekannt
Für den Parteivorsitz der SPD waren vor der Nominierung von Franz Müntefering weit mehr potentielle Kandidaten im Gespräch als bislang bekannt. Nachdem Parteichef Kurt Beck am Morgen des 7. September der engsten Parteiführung in einem Landgasthof am brandenburgischen Schwielowsee seinen Rücktritt verkündet hatte, wurde heftig um den Vorsitz gefeilscht. Es sei zugegangen "wie auf einem Basar", erinnern sich Teilnehmer. So debattierte die Runde unter anderem darüber, Umweltminister Sigmar Gabriel zum neuen Vorsitzenden zu küren. Im Gespräch war zudem als "Übergangslösung" Fraktionschef Peter Struck, doch der wollte nicht. Er habe bereits seinen Rückzug aus der Bundespolitik im Jahr 2009 angekündigt. In der gut zweistündigen Diskussion wurde auch Finanzminister Peer Steinbrück als möglicher Vorsitzender genannt: Dies lehnte die Partei-Linke Andrea Nahles ab. Steinbrück sei als rechter Flügel-Mann keine Integrationsfigur. Das wäre ja so, als würde sie selbst den Vorsitz übernehmen, argumentierte Nahles. Sie habe aber niemand vorgeschlagen, entgegnete Struck. Klar abgelehnt wurde Becks Idee, Arbeitsminister Olaf Scholz zum neuen Vorsitzenden zu küren. Am Ende verständigte man sich dann doch auf den Vorschlag von Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Müntefering zum neuen Chef zu machen. Die Genossen waren sich einig, dass der Partei und der Öffentlichkeit kein anderer Kandidat vermittelbar wäre, wenn jemand von Münteferings Kaliber zur Verfügung stehe.