Üppige Sponsorengelder von der Tabakindustrie an renommierte Mediziner
Rund 20 renommierte Mediziner aus Deutschland haben für ihre Forschungen zum Teil hohe Summen vom Tabakkonzern Philip Morris kassiert. Wie DER SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe berichtet, geht aus einem Strategiepapier des Konzerns von 1998 hervor, dass Wissenschaftler gewonnen werden sollten, um damit die Glaubwürdigkeit der Tabakindustrie zu erhöhen. Auf der Liste der deutschen Empfänger stehen Kardiologen, Pathologen, Biophysiker und ein designierter Universitäts- Rektor. Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass Professor Eckart Fleck vom Deutschen Herzzentrum in Berlin 937.000 Euro Forschungsgelder von der Philip Morris Research Foundation bekommen hatte.
Die Wissenschaftler geben an, Philip Morris habe keinen Einfluss auf die Forschung genommen. Inzwischen ist aber ein Streit darüber entbrannt, ob Mediziner generell Geld von der Tabakindustrie annehmen sollten. Gerhard Sybrecht vom Universitätsklinikum des Saarlands fordert gegenüber dem SPIEGEL einen Ehrenkodex. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass mit dem Tabakgeld "viel manipuliert und viel Nonsens geforscht" worden sei. Die Annahme der Zahlungen sei für Mediziner zudem moralisch "bedenklich", und die Sponsoren seien von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie "geächtet" worden, so Sybrecht.