Deutsches Waffen-Schiff für Afrika
Die Affäre um geheime Waffenexporte nach Kenia mit einer wahrscheinlichen Weiterlieferung in das Krisengebiet Südsudan spitzt sich zu und auch die Bundesrepublik gerät durch ein deutsches Schiff nun hinein. Als somalische Piraten vor zweieinhalb Wochen den ukrainischen Frachter "Faina" kaperten, stießen sie an Bord auf 33 Panzer des Typs T-72. Die ukrainische und die kenianische Regierung behaupteten, die Waffen seien für Kenias reguläre Armee bestimmt. Doch diverse Indizien lassen Geheimdienstler und Militärexperten vermuten, dass Kenia mit den Panzern die Rebellen-Truppe SPLA im Südsudan aufrüsten wollte. Dem SPIEGEL vorliegende Dokumente belegen jetzt, dass die Fracht der "Faina" nur Teil eines größeren Deals ist, der gründlich getarnt wurde: Ein erster Transport landete bereits im vergangenen November im kenianischen Mombasa an. Ende vorigen Jahres dann charterte die Firma ACE Shipping von der britischen Isle of Man bei einer norddeutschen Reederei ein Spezialschiff für Schwertransporte. Angeblich sollten Fahrzeuge und Kraftwerksteile geladen werden. Doch das 138-Meter- Schiff nahm sofort Kurs Richtung Oktjabrsk in der Ukraine. Dort belud die staatliche Firma Ukrinmasch es unter anderem mit 42 sowjetischen Kampfpanzern T-72, 15 Flugabwehrkanonen, zwei großen Mehrfach-Raketenwerfern, 2,2 Tonnen Panzerfäusten sowie insgesamt 95 Tonnen Kalaschnikows mitsamt Zubehör. Nach einem Zwischenstopp in Israel lieferte das Schiff der Deutschen seine heiße Fracht Anfang Januar in Mombasa ab gemäß einem Liefervertrag, in dessen Kennung das Kürzel "GOSS" auftaucht. Westliche Militärexperten behaupten, es stehe für "Government of South Sudan". Kenias Regierung möchte sich zu der Lieferung nicht äußern. "Wir kommentieren keine nationalen militärischen Angelegenheiten", so ein Regierungssprecher. Zuletzt wurden die Panzer im Januar im bergigen Nordwesten des Landes gesichtet. Weil eine Stationierung dort keinen Sinn macht, gehen westliche Militärexperten davon aus, dass das komplette Kriegsmaterial in den Südsudan geschafft wurde.