Führungsspitze von Aldi Nord wusste von Kungelei mit der Scheingewerkschaft AUB
Die Führungsspitze des Lebensmittel-Discounters Aldi Nord ist offenbar in fragwürdige Operationen verwickelt, bei denen es darum ging, unliebsame Ver.di-Mitglieder aus den Aldi-Betriebsräten zu drängen und diese Posten stattdessen mit Mitgliedern der arbeitgeberhörigen Gewerkschaft AUB zu besetzen. Das geht aus einem als "Vertraulich" gekennzeichneten Protokoll eines Gesprächs zwischen einem Regionalgeschäftsführer aus dem sächsischen Beucha und dem Aldi Nord Verwaltungsratsbevollmächtigten Horst Petersson aus dem Jahr 2005 hervor, das unter anderem auch an die Aldi Nord Führungskräfte Hans Hermann Hartmann und Hartmuth Wiesemann ging. Wiesemann war zu diesem Zeitpunkt Verwaltungsratsmitglied. Laut Protokoll berichtet der Regionalgeschäftsführer seinem Vorgesetzten Petersson, dass nach der Wahl 2001 noch sieben AUB-Leute im Betriebsrat gesessen hätten. Jetzt aber hätten sich dort "die Mehrheitsverhältnisse scheinbar verändert!". Vier Arbeitnehmervertreter hätten eine "Tendenz zu Ver.di". Ziel müsse es daher sein ,"die alten Mehrheitsverhältnisse wiederherzustellen", vermerkt das Protokoll. Daraufhin schilderte der Regionalgeschäftsführer dem Verwaltungsratsbevollmächtigten, welche Maßnahmen er dafür vorgesehen habe. Zudem geht aus dem Papier hervor, dass Aldi eine vermeintlich arbeitgeberfreundliche Mitarbeiterin extra von der Arbeit freigestellt hatte, damit sie mehr Zeit für den Betriebsrat habe. Nun habe man aber den Eindruck, sie sympathisiere mit Ver.di. "Aus heutiger Sicht ist die Freistellung von Frau D. eine Fehleinschätzung", heißt es in dem vertraulichen Dokument weiter. Aldi wollte sich zu den konkreten Vorwürfen nicht äußern.