Ermittlungen gegen IWF-Chef abgeschlossen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Ermittlungen gegen IWF-Chef abgeschlossen

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Ermittlungen gegen Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), sind abgeschlossen. Sollte der Franzose über die Liebesaffäre innerhalb des Währungsfonds stürzen, würde Europa voraussichtlich sein Recht auf den IWF-Vorsitz verlieren. In einem vertraulichen Schreiben des Lenkungsausschusses, dem Aufsichtsrat des IWF, in dem die wichtigsten Finanzminister der Mitgliedsländer sitzen, wurde dem Drängen der aufstrebenden Staaten anderer Kontinente nach Informationen des Hamburger Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL bereits nachgegeben und eine "regionale Veränderung" in der IWF-Leitung zugesagt. Dieses Schreiben stammt bereits aus der Zeit vor der Berufung von Strauss-Kahn und trägt die Unterschrift des damaligen italienischen Finanzministers und Vorsitzenden des IWF-Committees Tommaso Padua-Schioppa. Das IWF-Committee ist der politische Lenkungsausschuss des Weltwährungsfonds. Damit würde die seit Gründung von Weltbank und Währungsfonds bestehende Arbeitsteilung – Amerika führt die Weltbank, Europa besetzt den IWF-Chefposten – beendet und der neuen Machtverteilung auf der Welt Rechnung getragen. Dieses Schreiben spielte auch in den Sitzungen des IWF-Exekutivdirektoriums bereits eine Rolle und findet sich entsprechend in den Protokollen dieses operativen Führungsgremiums wieder. Araber, Lateinamerikaner, Afrikaner und Asiaten sehen diese Zusage als verbindlich an. Die Affäre Strauss-Kahn könnte daher für Europa mit einem schweren Prestige- und Machtverlust enden. Auch deshalb soll der IWF-Chef gehalten werden. Die Bundesregierung hält auch aus inhaltlichen Gründen an Strauss- Kahn fest. Er gilt in Zeiten der Finanzkrise als richtiger Mann zur richtigen Zeit.