33 Verfahren in der Rot-Kreuz-Affäre - DER SPIEGEL
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33 Verfahren in der Rot-Kreuz-Affäre

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In der Schmiergeldaffäre um das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hat die Justiz ihre Ermittlungen inzwischen auf mehr als 30 Beschuldigte ausgedehnt. Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe. Laut SPIEGEL laufen bei der Staatsanwaltschaft München I im Zusammenhang mit den mutmaßlich kriminellen Machenschaften beim Blutspendedienst (BSD) des BRK mittlerweile 33 Verfahren wegen Untreue, Bestechung, Bestechlichkeit und Geldwäsche. 19 davon richten sich gegen Beschäftigte von Zulieferfirmen, vier gegen Mitarbeiter des rot-kreuz-eigenen BSD.

Bei ihren Ermittlungen gegen die früheren BSD-Geschäftsführer Heinrich Hiedl und Adolf Vogt stießen die Experten der Korruptionsabteilung der Münchner Staatsanwaltschaft sowie des Landeskriminalamtes dem SPIEGEL zufolge bei den Zulieferfirmen des BSD auf ein ausgeklügeltes System zur Verschleierung von Schmiergeldern. Gegen Hiedl und Vogt, die der Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagt sind, beginnt kommenden Dienstag in München der Prozeß. Sie sollen den BSD zwischen 1993 und 1997 um mehr als 17 Millionen Mark geschädigt haben, indem sie von Firmen Schmiergelder erhalten und diesen im Gegenzug Aufträge zu überhöhten Preisen zugeschanzt hätten.

Wie DER SPIEGEL berichtet, erwies sich nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft insbesondere die deutsche Tochter des japanischen Blutbeutel-Lieferanten Terumo als besonders erfindungsreich bei dem Bemühen, Schmiergeld zu kreieren, ohne dass es in den Büchern auffiel. So hat beispielsweise der Geschäftsführer der Terumo Deutschland GmbH in Frankfurt/Main für sich und einen japanischen Mitarbeiter regelmäßig teure Flüge gebucht und bezahlt, die die beiden nie angetreten haben. Das Geld ließ sich Terumo vom Reisebüro in bar zurückerstatten und reichte es laut Anklage als Schmiergeld an Vogt weiter. Einmal, im Frühjahr 1994, sei aus dem Guthaben eines stornierten Fluges auch direkt ein Privaturlaub der Eheleute Vogt im niederbayerischen Bad Griesbach beglichen worden.

Die Masche mit den stornierten Reisen reichte aber laut Ermittlungen bei weitem nicht aus, um die Schwarzgeldkasse stets ausreichend gefüllt zu halten. Immer wieder, so der SPIEGEL, erhielt etwa ein Terumo-Mitarbeiter fingierte Sonderzahlungen auf seiner Gehaltsabrechnung ausgewiesen, die er jedoch seinem Arbeitgeber in bar habe zurückgeben müssen. Der Terumo-Geschäftsführer wiederum habe diese Beträge den Ermittlungen zufolge als Schmiergeld an Vogt weitergereicht.

Von der Wiesbadener Abbott GmbH, von der der BSD Seren für Aids- und Hepatitis-Tests bezog, ließen sich Vogt und Hiedl nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu "immer aufwendigeren Reisen" zu Kongressen und Urlauben einladen. So berichtet der SPIEGEL, daß sich Vogt den Ermittlungen zufolge ein Fest in Miami anläßlich seines 60. Geburtstages von Abbott habe bezahlen lassen. Für Transport und Unterbringung der Gäste habe Abbott mehr als 113000 Mark aufgewendet. Vogt und Hiedl bestreiten die Vorwürfe der Anklage weitgehend.