Widersprüche in Tillichs Biografie
Der Druck auf Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) wegen seiner Verstrickung in das SED-System wächst weiter. Hintergrund ist eine Erklärung zu seinem Lebenslauf, die Tillich 1999 bei Amtsantritt als sächsischer Minister ausfüllen musste. Darin wird detailliert nach gelegentlichen Stasi-Kontakten, der eigenen Stellung in der DDR und nach dem Besuch von Parteischulen gefragt. Vergangene Woche hatte Tillich dienstlich bedingte Stasi-Kontakte eingeräumt. In dem Fragebogen zum Lebenslauf wird mit fristloser Entlassung gedroht, wenn er falsch oder unvollständig ausgefüllt wird. Wie der SPIEGEL berichtet, verweigerte die Staatskanzlei auf Anfrage des Magazins die Freigabe der Erklärung. "Nach Auskunft der zuständigen Verwaltungseinheit", so eine Sprecherin, habe Tillich seinerzeit vollständig und zutreffend geantwortet. Die Frage nach einer Parteischule wurde offenbar verneint. Grund: Tillich habe eine derartige Schule nie besucht. Dies steht im Widerspruch zu einem von der Staatskanzlei selbst verbreiteten Ausbildungsplan des Rates des Kreises Kamenz für Tillich. Danach sollte der Christdemokrat von September bis Dezember 1988 die CDU-Parteischule "Otto Nuschke" in Burgscheidungen besuchen. Im gleichen Papier ist jener Lehrgang an der Akademie für Staat und Recht in Potsdam vermerkt, den Tillich vergangene Woche einräumte. Von Montag an wird sich die Bundes-CDU mit der Rolle der Union in der DDR beschäftigen. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke warnte vor diesem Hintergrund seine Partei laut SPIEGEL eindringlich vor einer "Anti-Kommunismus-Keule". Damit gewinne man keine Wahlen im Osten.