Arcandor-Chef Middelhoff räumt Fehler ein: "Karstadt-Krise war ganz klar hausgemacht" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Arcandor-Chef Middelhoff räumt Fehler ein: "Karstadt-Krise war ganz klar hausgemacht"

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Knapp drei Monate vor seinem Rückzug von der Konzernspitze hat Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, 55, erstmals eigene Fehler eingeräumt. Vor allem die Krise um die Karstadt-Warenhäuser, durch die das Unternehmen im September fast vor dem Aus stand, sei "leider ganz klar hausgemacht", sagte Middelhoff in einem Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Zunächst sei Karstadt auf einem guten Weg gewesen. Im vergangenen Jahr jedoch, so Middelhoff, "setzte eine Fehlentwicklung ein, weil dem zuständigen Management die Kosten aus dem Ruder liefen". Dadurch habe die Warenhaussparte eine "ganz negative Entwicklung genommen". Diesen Rückschlag, räumte der Manager ein, "habe ich zu verantworten, weil ich falsche Personalentscheidungen getroffen habe". Zwar habe er das Problem früh erkannt, doch weil der Konzern damals in Fusionsverhandlungen mit anderen Kaufhausbetreibern steckte, "hielt ich es nicht für günstig, den Chef der Warenhaussparte auszutauschen", sagte Middelhoff dem SPIEGEL. "Das war aus heutiger Sicht ein Fehler." Inzwischen sei der Konzern aber wieder auf dem richtigen Weg – und dazu hätten die Mitarbeiter, die schon zum zweiten Mal auf Teile ihres Lohns verzichten, einen "ganz wesentlichen Beitrag" geleistet. Nach Ansicht des Arcandor-Chefs sind die "Warenhäuser jetzt der einzige Problemfall in einem ansonsten gesunden Unternehmen". Der Konzern habe sich "zum Ziel gesetzt, im Geschäftsjahr 2007/2008 ein bereinigtes operatives Ebitda von mehr als 800 Millionen Euro zu erreichen", sagte Middelhoff dem SPIEGEL. Im laufenden Geschäftsjahr wolle der Konzern das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen "auf über 1,1 Milliarden Euro steigern". Am Montag legt Middelhoff bei seiner letzten Bilanzpräsentation die Geschäftszahlen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr vor. Ende Februar übergibt er dann die Konzernführung an den jetzigen Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick, 54. Middelhoff, der im Mai 2005 zu Arcandor kam, kehrt dann in die Branche privater Finanzinvestoren zurück. Gleichzeitig bleibe er nach seinem Ausscheiden dem neuen Großaktionär Sal. Oppenheim "als Berater in Sachen Arcandor engstens verbunden", betonte Middelhoff gegenüber dem SPIEGEL.