US-Militärs nennen BND-Beiträge aus Bagdad "extrem wichtig" und "hilfreich"
Die Berichte von zwei BND-Agenten aus Bagdad aus der Zeit vor und während des Irak-Kriegs waren für das US-Militär von weitaus größerer Bedeutung, als die Bundesregierung und der Bundesnachrichtendienst bislang einräumen. Das ergaben Recherchen des SPIEGEL bei hochrangigen US-Militärs, die sich erstmals zur Relevanz der BND-Meldungen äußern. So bezeichnet der US-General a. D. James Marks, der den Aufklärungsstab der Bodentruppen leitete, die Beiträge der Deutschen als "extrem wichtig und wertvoll" und als "detailliert und zuverlässig". "Wir haben den Informationen aus Deutschland stärker vertraut als denen der CIA", so Marks. Unter anderem hätten die BND-Meldungen dazu beigetragen, dass der Kriegsbeginn vorgezogen worden sei und Pläne für einen Überraschungsangriff von Luftlandetruppen auf den Bagdader Flughafen wieder verworfen wurden, erklärt der General, der heute Geschäftsführer eines großen Pentagon-Dienstleisters ist. Auch Oberst Carol Stewart, die beim Aufklärungsstab des Central Command von Tommy Franks eingesetzt war, sagt, die Deutschen hätten "exzellente Arbeit" geleistet: "Ich wusste, dass die Deutschen gegen den Krieg waren, deshalb hat es mich gewundert, dass sie während des Krieges eine derart positive und hilfreiche Rolle für uns spielten." Stewart sagt: "Wer behauptet, dass diese Meldungen für die Kampfhandlungen keine Rolle gespielt hätten, lebt auf einem anderen Planeten." Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der während des BND-Einsatzes Kanzleramtschef war, beteuert seit Januar 2006, als die umstrittene Operation erstmals in Umrissen bekannt wurde, die politische Vorgabe an den BND sei keine "aktive Unterstützung von Kampfhandlungen" gewesen. An diesem Donnerstag ist Steinmeier als Zeuge vor den BND-Untersuchungsausschuss geladen, der aufklären soll, wie relevant die Informationen der Bagdader BND-Zelle für die Kriegsführung der Amerikaner waren.