Siemens-Aufsichtsratschef Cromme mit Geldbuße hochzufrieden
Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme zeigt sich in der seit zwei Jahren schwelenden Korruptionsaffäre zufrieden mit dem nun in den USA erzielten Vergleich. Angesichts der 800-Millionen-Dollar-Buße sei der Konzern "vergleichsweise milde davongekommen. Da können wir drei Kreuze machen", sagte er in einem Gespräch mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Cromme: "Wenn die Amerikaner alle Folterinstrumente genutzt hätten, die das US-Rechtssystem ihnen zur Verfügung stellt, hätte Siemens in eine existentiell bedrohliche Krise geraten können." Cromme sieht in der Schmiergeldaffäre nun "die wichtigsten Fälle und Ermittlungen" als "abgehakt" an. Es gebe zwar noch Ermittlungen in anderen Ländern, "aber etwaige Strafen werden dort allenfalls eine viel geringere Dimension haben".
Cromme ist sich aber auch sicher: "Es ging immer auch um Moral oder gerade deren Mangel." Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die früheren Vorstandschefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld: Von beiden hätte er sich "sehr viel mehr Offenheit gewünscht". Cromme und sein Aufsichtsrat seien "überzeugt, dass der frühere Vorstand sich Fehlverhalten zu Schulden hat kommen lassen, für das wir ihn zivilrechtlich belangen müssen". Cromme wolle "keinem das letzte Hemd rauben. Nein, uns geht es um einen eher symbolischen Beitrag in allerdings nennenswerter Höhe". Wenn jemand wie Pierer sich nicht einsichtig zeige, "müssen wir gegebenenfalls klagen". Bei Siemens habe über Jahrzehnte in puncto Korruption ein "Netzwerk" existiert, "ein Paralleluniversum, von früheren Vorständen gedeckt, geduldet oder gar initiiert". Der Aufsichtsrat sei von diesen Alt-Vorständen "unvollständig, irreführend und teilweise sogar falsch informiert worden". Bei Siemens habe sich "extern wie intern eine Art gemeinsamer Bestechungsindustrie entwickelt, die letztlich vor allem den Eindruck produzieren sollte, Schmiergelder seien notwendig".
Für die operative Zukunft des Konzerns wollte Cromme gegenüber dem SPIEGEL keine Prognose wagen: "Einen so plötzlichen und totalen Filmriss wie zurzeit habe ich in meiner ganzen Berufszeit nie erlebt. Diese weltweite Dramatik ist mir neu, und nicht nur mir." 2009 rechnet Cromme deshalb "auf der ganzen Welt mit Heulen und Zähneknirschen".