Verwirrung um Mosaik aus dem Bernsteinzimmer
Eine zwischen Deutschland und Russland geplante Rückgabe zweier wertvoller Kulturgüter wird von Beamten der Bundesregierung verzögert: Der Bremer Senat und das russische Kultusministerium hatten sich am 5. Oktober vergangenen Jahres darauf geeinigt, das in Deutschland aufgetauchte Mosaik aus dem verschollenen Bernsteinzimmer gegen 101 grafische Blätter zu tauschen. Die wertvollen Zeichnungen, darunter ein Stich von Albrecht Dürer, hatten sowjetische Soldaten nach 1945 nach Moskau gebracht. Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL schreibt, haben Beamte des Berliner Außenministeriums und des Kulturbeauftragten Michael Naumann allerdings Vorbehalte gegen den von Bremen als "gegenseitige Geste" bezeichneten Deal. Eine allzu freundschaftliche Zeremonie passt dem Außenministerium nicht in die derzeitige politische Landschaft: Angesichts des Tschetschenien-Feldzugs der russischen Truppen, heißt es, sei ein späterer Termin zu bevorzugen.
Ungeklärt ist auch, auf welcher politischen Ebene die Übergabe inszeniert werden soll. Möglicherweise will Bundeskanzler Gerhard Schröder selbst die symbolische Übergabe medienwirksam vornehmen immerhin wurde zwischen Deutschland und Russland jahrelang über die Rückgabe der so genannten Beutekunst gefeilscht.
Das als echt erkannte florentinische Mosaik aus dem legendären Bernsteinzimmer war 1997 mit Hilfe des SPIEGEL in der Kanzlei eines Bremer Notars von der Polizei beschlagnahmt worden. Es sollte für 2,5 Millionen Dollar den Besitzer wechseln. Im Katharinenmuseum nahe St. Petersburg hatte Ex-Premier Wictor Tschernomyrdin (Das Russische den Russen, das Deutsche den Deutschen) für eine Rückgabe nach dem jetzt gefundenen Bremer Muster plädiert.
Der Präses der Bremer Handelskammer, Bernd Hockemeyer, hatte im Herbst die Rechte am Mosaik für rund 200000 Mark von der Erbin des letzten Besitzers übernommen, um das Bild als "Geste der Bremer Kaufmannschaft" zurückzugeben. Das Kunstwerk, zuletzt als Asservat im Betrugsverfahren beschlagnahmt, wurde daraufhin vom Bremer Landgericht dem Senat überlassen. Der drängt nun auf schnelle Übergabe an die Russen: "Unsere Glaubwürdigkeit", so der Chef der Senatskanzlei, Reinhard Hoffmann, "steht auf dem Spiel".