Groteske um Berliner Mahnmal
Mit einem grotesken Kompromiss endete der Streit um den symbolischen Baubeginn für das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Am 27. Januar wird Bundestagspräsident Wolfgang Thierse am Ort des geplanten Mahnmals für die ermordeten Juden Europas eine Info-Tafel enthüllen, der zu entnehmen ist, dass sich hinter dem Bauzaun nahe dem Brandenburger Tor der geplante Standort für das Mahnmal verbirgt. Die von dem Förderkreis um Edith ("Lea") Rosh ursprünglich geforderte Grundsteinlegung am Holocaust-Gedenktag kam ebenso wenig in Frage wie die Errichtung eines formellen Bauschildes weil dafür die wesentlichen planungs- und baurechtlichen Voraussetzungen fehlen. Weder liegt ein gültiger Bauplan vor, noch gibt es einen Bauantrag.
Wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL meldet, drohte zuletzt der Kompromiss noch zu scheitern, weil der Förderkreis just an der Stelle der geplanten Info-Tafel unlängst einen so genannten "Förderturm" errichtet hatte, der wie ein stilisierter DDR-Wachturm anmutet. Darauf wirbt, in Wort und Bild, der Förderverein für das Mahnmal-Vorhaben. Rosh bestand darauf, dass der Turm stehen bleibt, obwohl Bundestagspräsident Thierse darauf hinwies, es handele sich bei den beiden Hinweisgebern um eine widersinnige Doublette.
Mitglieder des Stiftungskuratoriums gewannen den Eindruck, die hartnäckige Weigerung von Rosh basiere "auf einem irrationalen Aggressionsstau". Zuletzt war um des lieben Friedens willen Rosh und ihrer Initiative sogar die namentliche Erwähnung auf der Info-Tafel angeboten worden doch der Förderkreis lehnte ab.
Nun wurde der mit Genehmigung des Finanzministeriums und der Bundesvermögensverwaltung errichtete "Förderturm" abgebaut, um rund hundert Meter entfernt wieder errichtet zu werden. Dem symbolischen Akt in der nächsten Woche werden weder Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen noch Bundeskanzler Gerhard Schröder beiwohnen.