Russischer Energieminister wirbt für Atom-Kooperation mit Siemens
Der russische Energieminister Sergej Schmatko schlägt vor, dass der deutsche Siemens- Konzern zusammen mit russischen Partnern ein Kernkraftwerk in Kaliningrad, dem früheren Königsberg, errichtet. "Ich könnte mir als erstes Projekt einen Reaktor bei Kaliningrad vorstellen", sagte Schmatko in einem Interview mit dem Nachrichten- Magazin DER SPIEGEL. Der Standort biete sich an, weil in der Region nach der geplanten Abschaltung eines litauischen Kernkraftwerks Stromknappheit drohe. Für die geplante Zusammenarbeit mit Siemens favorisiere er ein deutsch-russisches Joint Venture, das weltweit mit gemeinsamer Technologie antrete und zur Spitzengruppe der Nuklearanbieter gehören solle, sagte Schmatko. Die Nachfrage nach neuen Reaktoren sei "riesig".
Zudem kündigte er an, die russische Regierung wolle mit der EU über einen stabileren Preis für Erdgas verhandeln. "Wir sollten uns gemeinsam unabhängiger machen von den irrationalen Ausschlägen an den Börsen", sagte der Minister dem SPIEGEL. Am liebsten wolle er "diese spekulativen Spielchen mit Derivaten und anderen Finanzprodukten rund um Öl und Gas unterbinden", sagte Schmatko. EU und Russland sollten zu einem "neuen Preisbildungsmechanismus" finden, der nicht allein auf Angebot und Nachfrage beruhe, sondern auch auf dem langfristigen Investitionsbedarf bei der Erschließung und Modernisierung von Energiequellen. "Wir würden gern zu einem gerechten Preis kommen, der stabiler ist als der heutige, und der es ermöglicht, unsere Verpflichtungen langfristig zu erfüllen", sagte der Energieminister dem SPIEGEL. Er betonte, die Unterbrechung russischer Gaslieferungen nach Europa im Januar habe er "als Alptraum" empfunden. "Wir werden alles, wirklich alles tun, damit es in Zukunft nie wieder zu einer solchen Unterbrechung kommt", sagte er.