Russlands Außenminister schlägt Gespräche über Raketenabwehrschild vor
Russland will angesichts der schlechter werdenden Sicherheitslage in Afghanistan enger mit dem Westen zusammenarbeiten. Das bekräftigt Außenminister Sergej Lawrow in einem SPIEGEL-Interview. Moskau habe zugestimmt, auch den Amerikanern beim Transit nichtmilitärischer Güter über russisches Territorium zu helfen, außerdem sollen russische Militärtransporter bei der Versorgung der internationalen Allianz eingesetzt werden, so Lawrow. Ausdrücklich begrüßte der russische Chefdiplomat die Signale der Obama-Regierung, Möglichkeiten für direkte Gespräche mit Iran zu suchen und neue amerikanisch-russische Abrüstungsgespräche anzustreben. Lawrow erneuerte zudem im SPIEGEL das Angebot Moskaus, mit den Amerikanern beim Aufbau eines Raketenabwehrschildes zusammenzuarbeiten: "Noch ist es nicht zu spät", so der Außenminister, "wir könnten uns an den Verhandlungstisch setzen und mit einer Bewertung der Situation beginnen." Zugleich forderte er einen neuen, gerechten Vertrag über europäische Sicherheit, der Mechanismen zur Waffen- und Rüstungskontrolle enthalte. Erneut warf Lawrow dem Westen vor, er sei mitschuldig gewesen am Ausbruch des Georgien-Krieges. Russland habe die völkerrechtliche Anerkennung der abtrünnigen Republiken Abchasien und Südossetien nicht geplant gehabt - sondern sie erst vollzogen, nachdem aus dem Westen zu hören gewesen sei, man werde Georgien wieder aufrüsten.