Olympiasieger Baumann offenbar entlastet
Die Tübinger Ermittler sind sich nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL sicher, dass Olympiasieger Dieter Baumann einem Anschlag zum Opfer gefallen ist. Zwar sind die Ergebnisse biochemischer Untersuchungen noch vorläufig, doch lieferten diese der Sondergruppe der Landespolizeidirektion entlastende Indizien für den unter Dopingverdacht stehenden Leichtathleten.
Die Staatsanwaltschaft Tübingen hatte in zwei Labors Gutachten in Auftrag gegeben. Erstes Resultat laut SPIEGEL: Die analytischen Muster der Abbauprodukte des Do-pingmittels Nor-Androstendion, die in Baumanns Urin bei zwei Trainingsproben gefunden wurden, sind identisch mit denen, die später bei einer Testperson ermittelt wurden. Die hatte sich mit der in Baumanns Wohnung gefundenen Zahnpasta die Zähne geputzt. Demnach rührt Baumanns Dopingbefund von der Zahnpasta her.
Bei der Testperson, in deren Urin 2000 Nanogramm je Milliliter festgestellt wurden, war der Wert nach eineinhalb Tagen schon wieder beinahe auf Null. Um bei der Aufnahme des Mittels über die Mundschleimhaut erfolgreich zu dopen, hätten im Urin 100.000 bis 200.000 Nanogramm gefunden werden müssen. Damit ist klar, dass ein gezieltes Doping über die Zahnpasta erfolglos wäre. Bei Baumann entdeckten die Kontrolleure nur 20 Nanogramm.
Für die Fahnder kommt, so DER SPIEGEL, nur noch eine Variante in Frage: Baumanns Zahncreme wurde mit Nor-Androstendion versetzt, um ihn zum Dopingsünder zu stempeln. Darauf deutet für die Ermittler auch der Fund einer zweiten kontaminierten Tube hin, die aus Baumanns Keller stammt. Die Zahncreme der Marke "Signal" befand sich im Seitenfach einer Sporttasche, die der Läufer zuletzt bei einem Athleten-Treffen auf Lanzarote benutzt hatte.
Mögliche Täter sucht die Polizei weiter im Osten. Ein anonymer Brief hatte einen ehemaligen DDR-Trainer als Drahtzieher beschuldigt. Die Kripo hofft darauf, dass sich der Tippgeber aus dem Raum Berlin erneut meldet.