Angehörige von KZ-Opfern drängen auf baldigen Prozess gegen Demjanjuk
Im Fall des mutmaßlichen KZ-Aufsehers John Demjanjuk drängen Angehörige der Opfer auf einen baldigen Prozess in Deutschland. In den Niederlanden hat sich eine Gruppe aus Ehepartnern, Geschwistern und Kindern von im Vernichtungslager Sobibór ermordeten Juden formiert. Mitglieder dieser Gruppe wollen in einem Verfahren gegen Demjanjuk als Nebenkläger auftreten. Dem im US-Bundesstaat Ohio lebenden 89-jährigen gebürtigen Ukrainer wird vorgeworfen, im Jahr 1943 als Wachmann in Sobibór an der Ermordung von mindestens 29.000 Menschen mitgewirkt zu haben. Seine für vergangenen Montag vorgesehene Überstellung aus den USA nach Deutschland, wo das Amtsgericht München einen Haftbefehl gegen ihn erlassen hat, scheiterte in letzter Minute, weil ein US-Einwanderungsgericht einen vorläufigen Abschiebestopp verfügte. Der Kölner Strafrechtsprofessor Cornelius Nestler, der die Opfer-Angehörigen berät, sagte, dass "nicht Rache, sondern Gerechtigkeit" das Ziel der Gruppe sei. "So wie das Leid und das Leiden der Angehörigen und der Überlebenden bis zu ihrem Tod andauert, so dauert auch die Verantwortung derer, die für dieses Leid verantwortlich sind, bis zu ihrem Tod an", sagte Nestler. Ob Demjanjuk zu einer hohen Strafe verurteilt werde und ob er ins Gefängnis müsse, sei für die Angehörigen nicht entscheidend. Wichtig sei hingegen, dass das Gericht feststelle, "ob er an der Mordmaschinerie in Sobibór beteiligt war". Was dort geschah, sei der breiten Öffentlichkeit "viel zu wenig bekannt".