Poker um Porsche
Die Schwierigkeiten von Porsche, einen Zehn--Milliarden-Euro-Kredit verlängert zu bekommen, waren größer als bislang bekannt. Nach Informationen des SPIEGEL kam es am 24. März zu einer dramatischen Pokerpartie um die Zukunft von Porsche. Im Porsche-Entwicklungszentrum in Weissach tagte der Porsche-Aufsichtsrat, in dem die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch vertreten sind. Porsches Finanzvorstand Holger Härter verhandelte zeitgleich mit Bankenvertretern in Frankfurt am Main über die Kreditverlängerung. Die Familien Porsche und Piëch hatten sogar schon geprüft, wie sie reagieren könnten, wenn die Banken den Kredit verweigern würden und Porsche zehn Milliarden Euro zurückzahlen müsste. Es drohte nicht der Gang zum Insolvenzrichter, sagt ein Vertrauter der Familie dem SPIEGEL. Schließlich verfügen sowohl das Unternehmen Porsche als auch der Familienclan über Milliardenvermögen. Im Gespräch war ein Verkauf von Tochtergesellschaften wie Porsche Engineering, Porsche Design oder Porsche Consulting an den VW-Konzern oder der Verkauf der Optionen auf VW-Aktien, die Porsche noch besitzt. Geprüft wurde auch, ob die Familien Porsche und Piëch ein anderes Unternehmen, das ihnen gehört, in die Porsche Automobil-Holding einbringen könnten: Europas größtes Autohandelsunternehmen, das in Salzburg angesiedelt ist und einen Umsatz von knapp 13 Milliarden Euro erwirtschaftet. Nach Informationen des SPIEGEL waren die Banken erst zur Verlängerung des Kredits bereit, als die Familien Porsche und Piëch auf der Aufsichtsratssitzung einer Verpfändung der VW-Aktien, die Porsche hält, zustimmten. Eine Tranche von 3,3 Milliarden aus dem Zehn-Milliarden-Kredit muss Porsche allerdings schon binnen sechs Monaten zurückzahlen und auf anderem Weg finanzieren. Finanzvorstand Härter verhandelt dem SPIEGEL zufolge mit Banken, ob Porsche dafür eine Anleihe in dieser Höhe herausgibt. Alternativ prüft er, ob Porsche VW-Aktienoptionen, die das Unternehmen noch besitzt, verkaufen kann.