IG-Metall-Chef Huber wirft Arbeitgebern "krisengewinnlerisches Verhalten" vor
Der Erste Vorsitzende der Gewerkschaft IG Metall, Berthold Huber, hat sich erneut dagegen ausgesprochen, die am 1. Mai 2009 fällige zweite Stufe der Lohnerhöhung flächendeckend zu verschieben. Dies sei nicht Gegenstand des Tarifvertrags, sagte Huber dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Der Vertrag sehe lediglich vor, die zweite Stufe der Tariferhöung für einzelne Unternehmen freiwillig zu verschieben, wenn die wirtschaftliche Lage es erfordere und Arbeitsplätze gesichert würden. "Dazu stehen wir uneingeschränkt." Die Zahl der tatsächlichen Fälle sei derzeit ohnehin "nicht nennenswert hoch", bis jetzt gebe es mehrheitlich Absichtserklärungen oder Wunschvorstellungen, so Huber. Wenn die Arbeitgeber nun eine generelle Verschiebung fordern, wollten sie "die Krise ausnutzen, um an das Geld der Leute zu kommen", so Huber. "Das ist krisengewinnlerisches Verhalten auf dem Rücken derjenigen, die schuldlose Opfer der Krise sind, der Arbeitnehmer." Die potentielle Entlastung aus einer verschobenen Lohnerhöhung betrage gerade einmal 0,3 bis 0,4 Prozent der Gesamtkosten. Deshalb sei die Debatte um eine Verschiebung "eine Scheindiskussion", so Huber. Der Gewerkschaftschef fordert stattdessen eine "aktive Konjunkturpolitik im großen Stil". Lohnerhöhungen seien "das Konjunkturprogramm der Tarifpolitik und leisten ihren Beitrag zur Stabilisierung in der Krise". Zudem fordert Huber einen "Rettungsschirm für industrielle Unternehmen". Man müsse "die industrielle Substanz erhalten, egal, welcher Markenname draufsteht und wie groß das Unternehmen ist". Huber schlägt deshalb unter anderem die Einrichtung eines Beteiligungsfonds in Höhe von 100 Milliarden Euro vor. Dieser könne über eine Zukunftsanleihe auf alle Vermögen über 750 000 Euro finanziert werden.