Deutscher Mediziner soll Demjanjuks Verhandlungsfähigkeit prüfen - DER SPIEGEL
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Deutscher Mediziner soll Demjanjuks Verhandlungsfähigkeit prüfen

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Gleich mehrere offizielle Stellen in den USA und Deutschland prüfen derzeit den Gesundheitszustand des mutmaßlichen KZ-Aufsehers John Demjanjuk. Von den Ergebnissen hängt ab, ob der 89-Jährige aus seinem Wohnort im Bundesstaat Ohio nach Deutschland abgeschoben werden kann, wie es die US-Regierung plant. Der gebürtige Ukrainer soll als Aufseher im NS-Vernichtungslager Sobibór an der Ermordung von mindestens 29 000 Juden beteiligt gewesen sein. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft München, die einen Haftbefehl gegen den Staatenlosen erwirkt hat, wertet derzeit ein deutscher Sachverständiger die vorhandenen Unterlagen über Demjanjuks Gesundheit aus. Der Mediziner soll beurteilen, ob der Greis verhandlungsfähig ist. "Den Deutschen wird klarer, wie schlecht es um meinen Vater bestellt ist, je länger dies andauert", sagt Demjanjuks Sohn John. Am vergangenen Donnerstag forderte auch das zuständige US-Berufungsgericht weitere Informationen über den Gesundheitszustand Demjanjuks an. Die Frage sei, ob der Beschuldigte überhaupt "stabil genug" für eine "sichere Reise" sei. So müssen die USBehörden innerhalb einer Woche die bislang unter Verschluss gehaltenen Untersuchungsergebnisse eines amerikanischen Amtsarztes vorlegen. Amerikanische Mediziner bescheinigten Demjanjuk unter anderem eine verminderte Sauerstoff-Transportfähigkeit des Blutes. Seine Anwälte und seine Familie halten deshalb eine Reise für lebensgefährlich, allerdings würde Demjanjuk während des Flugs und nach seiner Ankunft entsprechend medizinisch versorgt werden. Sollte es zu einem Prozess in München kommen, will Demjanjuks deutscher Wahlverteidiger Ulrich Busch die Echtheit des Dienstausweises seines Mandanten in Zweifel ziehen – und damit auch dessen Anwesenheit in Sobibór. Der Ausweis ist vom Bayerischen Landeskriminalamt mit drei Ausweisen anderer SS-Helfer verglichen und für authentisch befunden worden – Untersuchungen des benutzten Klebstoffs und der Tinte unterblieben jedoch. Der Ausweis sei daher ein "schwaches Indiz", argumentiert Busch. Demjanjuk wird allerdings durch weitere Dokumente schwer belastet.