Rau flog mit WestLB-Jet in Urlaub
Bundespräsident Johannes Rau ist entgegen seiner bisherigen Darstellung mindestens einmal mit einem von der Westdeutschen Landesbank gecharterten Jet des Düsseldorfer Unternehmens PJC in den Urlaub geflogen. Dies meldet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der neuen Ausgabe.
Der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident ist am 23. Dezember 1993 vom südenglischen Lydd aus, wo er bei Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt dessen 75. Geburtstag feierte, mit einem Jet der Firma Privat Jet Charter nach München gereist, um von dort aus mit seiner Familie ins oberbayerische Elmau fahren zu können. Mit einem Linienflug hätte Rau erst an Heiligabend reisen können, argumentierte sein Anwalt Gernot Lehr gegenüber dem SPIEGEL. Lehr: "Wir sind der Auffassung, dass so etwas möglich sein muss, weil sich das Leben von Spitzenpolitikern mit überfüllten Terminkalendern nicht anders organisieren lässt."
Die Notwendigkeit zur Gratulation bei Schmidt habe sich "überraschend" ergeben. Der Trip von Düsseldorf nach Lydd, so der SPIEGEL, und von dort nach München habe knapp 25000 Mark gekostet. Generell hätten Raus Juristen eingeräumt, so DER SPIEGEL weiter, dass ihr Mandant "gelegentlich Parteitermine mit dienstlichen verbunden" habe. Dazu gehörte laut SPIEGEL auch ein Besuch im Februar 1994 im österreichischen Villach, wo Rau als Wahlkämpfer für Parteifreunde der Sozialdemokratischen Partei Österreichs im Einsatz gewesen sei. Gegenüber dem Düsseldorfer Untersuchungsausschuss hatten Raus Anwälte ursprünglich diesen Termin als "offiziellen Besuch in Österreich" charakterisiert.