Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen im Fall THW Kiel in Osteuropa aus
In der Affäre um mutmaßliche Schiedsrichterbestechungen durch den Handball-Bundesligisten THW Kiel hat die Kieler Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ausgeweitet. Seit Anfang April sind auch sechs Schiedsrichter als Beschuldigte in den Akten der Behörde eingetragen. Die Fahnder gehen dem Verdacht nach, dass die Unparteiischen Bargeld vom THW erhalten haben könnten, um Spiele in der Champions League zu Gunsten der Kieler zu pfeifen. Dazu gehören das Final-Rückspiel 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt, geleitet vom polnischen Schiedsrichter-Duo Miroslaw Baum und Marek Goralczyk, das letzte Hauptgruppenspiel 2008 gegen Ademar León sowie das Halbfinal-Hinspiel 2008 gegen Barcelona. Schiedsrichter gegen León waren die Slowenen Darko Repensek und Janko Pozeznik, das Spiel gegen Barcelona pfiff das ukrainische Duo Walentin Wakula und Alexander Ljudowik. Im Umfeld dieser Partien stießen die Fahnder auf dubiose Überweisungen und Barabhebungen in Höhe von 152.000 Euro. Die sechs Schiedsrichter, die alle Vorwürfe zurückweisen, stehen unter dem Verdacht der Beihilfe zum Betrug. Behörden in Polen, Slowenien und der Ukraine wurden um Rechtshilfe gebeten. Nach Angaben polnischer Ermittler gingen die Anfragen in Warschau und Kattowitz Mitte April ein. Der Auftrag: bis zum 10. Mai Bankdokumente der betroffenen Personen zu sichern. Auch die Europäische Handball-Föderation (EHF) hat mit der sportrechtlichen Aufarbeitung des Endspiels 2007 begonnen und Ermittlungen gegen den THW Kiel eingeleitet. Die Unterlagen der Staatsanwaltschaft stehen der EHF nicht zur Verfügung - ein Anwalt des Clubs hat gegenüber den Strafverfolgern Bedenken geäußert, den EHF-Funktionären Akteneinsicht zu gewähren.