MAN-Beschuldigter wieder auf freiem Fuß
Nach der Razzia beim Münchner MAN-Konzern vorvergangene Woche ist der einzige länger Inhaftierte unter den über hundert Beschuldigten inzwischen wieder auf freiem Fuß. Der führende Mitarbeiter der MAN-Nutzfahrzeugtochter in der Niederlassung Köln soll den Inhabern eines Speditionsunternehmens im Großraum Aachen zwischen 2002 und 2005 mehrere hundert Fahrzeuge verkauft und dafür Provisionen gewährt haben, was nach dem Gesetz und den MAN-Regularien verboten ist. Besonders intensiv prüft die Staatsanwaltschaft auch Stadtbusaufträge in diversen Mittelmeer-Anrainerstaaten wie Griechenland, Italien oder der Türkei. Dort sollen MAN-Statthalter Amtsträger bestochen haben, um Konkurrenten auszubremsen. Die fragwürdigen Zahlungen fielen intern offenbar zunächst nicht auf, da die MAN-Verkäufer behaupteten, eingeschaltete Berater vor Ort hätten für das Geld entsprechende Gegenleistungen erbracht. Deshalb scheute sich das Unternehmen auch nicht, die Kosten im Rahmen der Steuererklärung geltend zu machen. Genau das wurde dem Konzern nun zum Verhängnis, da sich einige der Vermittler das Geld angeblich auf Konten in exotischen Ländern wie den Bahamas oder Cayman Islands überwiesen ließen. Einige MAN-Aufsichtsräte drängen nun auf eine Sondersitzung des Gremiums, um sich ein Bild über das Ausmaß der Affäre zu machen.