Stahlindustrie warnt vor Konzentration bei Rohstoffunternehmen
Die deutsche Stahlindustrie sieht mit Sorge einer möglichen Zusammenlegung des Eisenerzgeschäfts der beiden Bergbaugiganten BHP Billiton und Rio Tinto entgegen. "Sie würde die schwierige Einkaufssituation für die Stahlindustrie weiter verschärfen", sagt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Danach würden nur noch zwei Akteure, das neue Joint Venture sowie der brasilianische Konzern Vale, etwa zwei Drittel des Weltmarkts beherrschen. Zum Vergleich: Die Opec mit ihren zwölf Mitgliedsländern kontrolliert nur gut 40 Prozent des Ölmarkts. "Eine derartige Marktdominanz ließe praktisch kaum noch Spielraum bei zukünftigen Verhandlungen zu", warnt Kerkhoff. Bereits in den vergangenen Jahren konnten die Rohstoffriesen gegenüber der Stahlindustrie Preiserhöhungen von jährlich bis zu 85 Prozent durchsetzen. Selbst in diesem Krisenjahr fielen die bisherigen Preisabschläge gemessen am Einbruch in der Stahlbranche moderat aus, meint der Commerzbank- Rohstoffexperte Eugen Weinberg. Die Konzentration in der Branche hat nach Ansicht von Weinberg bereits bedenkliche Ausmaße angenommen: "Das ist gefährlich." Noch allerdings ist das Joint Venture nicht unter Dach und Fach. "Die Kartellbehörden werden sich das genau anschauen", sagt Gerold Deppisch, Minenexperte der Landesbank Baden-Württemberg. Freitag vergangener Woche gaben die beiden Rohstoffkonzerne das gemeinsame Vorgehen bekannt, nachdem der Einstieg des chinesischen Staatskonzerns Chinalco bei Rio Tinto geplatzt war.