Bundesfinanzministerium frühzeitig über HRE-Debakel informiert
Das Milliarden-Debakel beim Finanzinstitut Hypo Real Estate (HRE) zeichnete sich schon früher ab als bislang bekannt. Der ehemalige HRE-Chef Georg Funke verweigerte zwar vergangenen Donnerstag im Untersuchungsausschuss die Aussage, doch behördeninterne Dokumente zeigen, wie dreist das HRE-Management Missstände verschleierte und wie umfassend das Bundesfinanzministerium (BMF) bereits im Januar 2008 über den Problemfall informiert war. Funke hatte am 15. Januar 2008 die Finanzmärkte mit der Mitteilung geschockt, dass die HRE entgegen früheren Behauptungen auf ihr US-Hypotheken-Portfolio 390 Millionen Euro abschreiben müsse. Wenige Tage später bekam Finanzminister Peer Steinbrück einen internen Bericht über die "Betroffenheit durch Subprime-Krise". Kurz darauf erhielt das BMF von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zusätzliche Informationen zur HRE. "Die intensive Befragung des Vorstandes führte zur Aufdeckung von Sachverhalten", schrieb BaFin-Präsident Jochen Sanio an den zuständigen Staatssekretär, "die der Vorstand bisher selbst in der jüngsten Ad-hoc- Mitteilung nicht andeutungsweise aufgedeckt hatte." Sanio warnte vor einer "möglicherweise erschreckenden Größenordnung". Ein beiliegender Vermerk listete Risikopositionen im zweistelligen Milliardenbereich auf. Durch die Erklärung der Bank zum US-Geschäft sei "die Glaubwürdigkeit der HRE ohnehin vernichtet worden", hieß es dort, größere Verluste aus diesen Geschäften "dürften daher kaum durch externe Kapitalzuführungen kompensiert werden können". Behördenintern war also klar, dass bei einer möglichen Schieflage der HRE nicht mehr mit privaten Rettungsgeldern gerechnet werden konnte. Auch der heutige Staatssekretär Jörg Asmussen dürfte den Bericht damals gelesen haben. Sein Kürzel findet sich auf dem Deckblatt.